S.A. Barnes: Dead Silence
Geschrieben von Ralph Troppmann am Montag, 11. August 2025 in Literatur
S.A. Barnes: Dead Silence. Heyne, München 2024. ISBN: 978-3-453-32293-6, 445 Seiten
Claire Kovalik ist Teamleiterin auf dem Wartungsschiff L1N4, der Einfachheit halber LINA genannt. Mit ihrer 4-köpfigen Crew befindet sie sich am Rande des irdischen Sonnensystems, um Wartungsarbeiten am Kommunikationsnetzwerk durchzuführen. Was völlig langweilig klingt, ist es auch, aber das ist genau das, wonach Claire sucht. Sie ist mental durch Erlebnisse in ihrer Kindheit sehr angespannt, überlegt sogar, bei einem Außeneinsatz einfach die Sicherheitsleine zu lösen und in den unendlichen Raum davonzutreiben. Dies soll ihr letzter Einsatz sein, die Aufgabe wird künftig von Robotern erledigt, Claire soll einen Schreibtischjob bekommen. In dieser Depression empfängt die Crew einen Notruf, dem sie entgegen aller Vorschriften folgt - die Aussicht auf eine ordentliche Berge-Prämie lockt. Der Notruf kommt vom Luxus-Schiff Aurora, das vor 20 Jahren unter ungeklärten Umständen verschollen ist und für verloren erklärt wurde. Um beweisen zu können, dass sie die Aurora wirklich gefunden haben, begibt sich die Crew an Bord, um einige Beweise zu bergen - goldene Wasserhähne etwa.
An Bord herrscht das blanke Chaos, es ist dunkel, eiskalt und überall Leichen in einem unerwarteten Zustand. Es muss etwas grauenvolles passiert sein und es scheint, dass auch die Crew nicht dagegen immun ist. Die Situation wird immer bedrohlicher...
Ein sehr spannender Roman, der geschickt mit der Frage spielt, was hier eigentlich passiert ist und warum auch die Crew davon betroffen wird. Claire wird gut mit ihren besonderen Problemen und deren Ursache in einer traumatischen Episode in ihrer Kindheit beschrieben. Das, und die speziellen Interessen einer weiteren Fraktion, geben der Geschichte stete Abwechslung, wie auch der Wechsel zwischen dem Jetzt und den Rückblenden auf frühere Ereignisse.
Ich fühlte mich beim Lesen immer wieder an Szenen aus Alien und Event Horizon erinnert, doch S.A. Barnes hat hier nicht abgekupfert, sondern eine in sich stimmige, neue Geschichte geschrieben.

