John Niven: Die F#ck-it Liste

Geschrieben von Ralph Troppmann am Donnerstag, 4. August 2022 in Literatur

John Niven: Die F#ck-it Liste. Heyne, München 2022 (2020). ISBN 978-3-453-67744-9, 317 Seiten

Ein wunderbarer, bitterböser und doch irgendwie menschlicher Roman!
Das Leben hat Frank Brill übel mitgespielt: er lebt allein, seine (Ex-)Frauen und Kinder sind tot, dem Alkohol erlegen, bei Amokläufen erschossen. Frisch im Ruhestand erhält er nun auch noch die Diagnose Krebs, hat nur noch wenige Wochen zu leben.
Er könnte sich durch eine Therapie kämpfen, nur um ein paar Tage mehr zu leben. Doch er entscheidet sich für einen anderen Weg: wenn er schon abtreten muss, dann will er noch ein paar von denen mitnehmen, die aus seiner Sicht am Tod ihm nahestehender Menschen verantwortlich sind. Ein Pädophiler zum Beispiel, ein Ehebetrüger oder jemand, der durch den freizügigen Waffenhandel Amokläufe erst möglich macht.
So beginnt eine Reise quer durch die USA (die zur Zeit übrigens gerade von Ivanka Trump regiert wird) um die Namen auf der Liste nach und nach 'abzuarbeiten'. Verfolgt wird er von einem Polizisten, der als Freund des ersten Opfers und gleichzeitigem glühendem Trump-Verehrer Frank zur Strecke bringen will.
Die Geschichte ist, trotz der ernsten Themen, aus meiner Sicht grandios trocken und gleichzeitig humorvoll geschrieben. Frank wirkt so herrlich aus der Zeit gefallen und gleichzeitig so authentisch, dass ich mich sofort mit ihm identifizieren konnte. Seine Ziele sind nachvollziehbar ausgewählt, die Geschichten dazu erfährt man im Verlauf der Reise. Trotz seiner Mordabsichten kann man Frank eigentlich nicht als bösen alten Mann bezeichnen.
Das Ende entwickelt sich rasant und gipfelt in einem würdigen und ebenso humorvollen Finale - ein klasse Roman, der durch die Zeichnung der US-Gesellschaft in einer möglichen nahen Zukunft auch zum Nachdenken anregt.

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