Chris Mooney: Blood World

Geschrieben von Ralph Troppmann am Montag, 11. August 2025 in Literatur

Chris Mooney: Blood World. Heyne, München 2021. ISBN: 978-3-453-32117-5, 507 Seiten

Der Titel klingt nicht gerade nach sanftmütiger Lektüre. So ist es dann auch, wir begleiten Ellie, eine junge Polizistin, an der Westküste der USA in einer nicht so fernen Zeit. Manche Menschen besitzen ein besonderes Genprofil und man hat herausgefunden, dass sich aus deren Blut eine Art Verjüngungs-Serum herstellen lässt. Ellies Bruder hatte ein solches Profil, und er wurde wie so viele andere entführt, um an sein Blut zu kommen. Das Serum wird zahlungskräftigen Kunden gespritzt, damit sie auch im Alter fit und vital bleiben. Ellie wurde Polizistin, um besser nach ihrem Bruder suchen zu können. Sie will unbedingt in eine Spezialeinheit, die gegen diese Machenschaften ankämpft. 
Im Dienst kommt sie auf ungewöhnliche Weise zu einem Einsatz, der einige Menschen das Leben kostet, doch ihr die Möglichkeit eröffnet, dieser Spezialeinheit beizutreten. Sie wird sogar zur Undercover-Ermittlerin und gelangt bis an die Köpfe einiger dieser illegalen Organisationen. Sie versucht weiter ihren Bruder zu finden, während sich die Ereignisse zuspitzen und auf einen dramatischen Showdown zulaufen.

Das Buch gefiel mir, die Spannung lässt an keiner Stelle nach, es gibt stets schnelle Wendungen und Nervenkitzel. Die ständige Gefahr, in der Ellie als verdeckte Ermittlerin schwebt, wird sehr gut vermittelt. Es sind mehrere Parteien beteiligt, die alle ihre eigene Ziele verfolgen, die natürlich völlig gegensätzlich sind. Trotzdem kommt auch die persönliche Seite von Ellie zum Vorschein, schön dargestellt an der Trennung von ihrem Freund während des Einsatzes. Ein guter Thriller, empfehle ich gerne weiter.

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S.A. Barnes: Dead Silence

Geschrieben von Ralph Troppmann am Montag, 11. August 2025 in Literatur

S.A. Barnes: Dead Silence. Heyne, München 2024. ISBN: 978-3-453-32293-6, 445 Seiten

Claire Kovalik ist Teamleiterin auf dem Wartungsschiff L1N4, der Einfachheit halber LINA genannt. Mit ihrer 4-köpfigen Crew befindet sie sich am Rande des irdischen Sonnensystems, um Wartungsarbeiten am Kommunikationsnetzwerk durchzuführen. Was völlig langweilig klingt, ist es auch, aber das ist genau das, wonach Claire sucht. Sie ist mental durch Erlebnisse in ihrer Kindheit sehr angespannt, überlegt sogar, bei einem Außeneinsatz einfach die Sicherheitsleine zu lösen und in den unendlichen Raum davonzutreiben. Dies soll ihr letzter Einsatz sein, die Aufgabe wird künftig von Robotern erledigt, Claire soll einen Schreibtischjob bekommen. In dieser Depression empfängt die Crew einen Notruf, dem sie entgegen aller Vorschriften folgt - die Aussicht auf eine ordentliche Berge-Prämie lockt. Der Notruf kommt vom Luxus-Schiff Aurora, das vor 20 Jahren unter ungeklärten Umständen verschollen ist und für verloren erklärt wurde. Um beweisen zu können, dass sie die Aurora wirklich gefunden haben, begibt sich die Crew an Bord, um einige Beweise zu bergen - goldene Wasserhähne etwa. 
An Bord herrscht das blanke Chaos, es ist dunkel, eiskalt und überall Leichen in einem unerwarteten Zustand. Es muss etwas grauenvolles passiert sein und es scheint, dass auch die Crew nicht dagegen immun ist. Die Situation wird immer bedrohlicher...

Ein sehr spannender Roman, der geschickt mit der Frage spielt, was hier eigentlich passiert ist und warum auch die Crew davon betroffen wird. Claire wird gut mit ihren besonderen Problemen und deren Ursache in einer traumatischen Episode in ihrer Kindheit beschrieben. Das, und die speziellen Interessen einer weiteren Fraktion, geben der Geschichte stete Abwechslung, wie auch der Wechsel zwischen dem Jetzt und den Rückblenden auf frühere Ereignisse.
Ich fühlte mich beim Lesen immer wieder an Szenen aus Alien und Event Horizon erinnert, doch S.A. Barnes hat hier nicht abgekupfert, sondern eine in sich stimmige, neue Geschichte geschrieben.

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Chris Broad: Abroad in Japan

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 12. Juli 2025

Chris Broad: Abroad in Japan. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023. ISBN: 978-3-462-00886-9, 349 Seiten

Der Engländer Chris Broad war mit diesem Buch sehr erfolgreich, zurecht, wie ich finde. Er beschreibt seine Zeit in Japan, beginnend mit dem recht spontanen Entschluss, an einem Programm der japanischen Regierung teilzunehmen. Hiermit soll durch englische Muttersprachler als Hilfslehrer der Englischunterricht an japanischen Schulen verbessert werden. Chris ist an Japan interessiert, spricht aber praktisch kein Wort japanisch, als er ankommt. Obendrein wurde er an eine Schule im eher abgelegenen und klimatisch herausfordernden Norden Japans beordert. Er beschreibt die Anfänge mit den Besonderheiten, wie dem Essen oder den winzig kleinen Wohnungen und besonders den kulturellen Eigenheiten. Dabei beobachtet er gut und beschreibt das Ganze mit einer angenehmen Prise Humor. Besonders das Essen und die Freizeitaktivitäten fand ich interessant. Er findet Freunde, auch unter den Japanern und lernt mit großem Einsatz japanisch, indem er sich Herausforderungen stellt, etwa einem Redenwettbewerb.

Das Taschenbuch liest sich flüssig, man erhält einen guten Einblick in das Leben von Chris und den Herausforderungen, denen er sich stellt. Auch die Erfolge und Freundschaften beschreibt er gut, ich fühlte mich an vielen Stellen fast so, als wäre ich selbst dort gewesen. Gerade die Beschreibung der Alltagssituationen machen aus diesem Bericht schon so etwas wie eine Art Reiseführer.

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Anthony Bale: Reisen im Mittelalter. Unterwegs mit Pilgern, Rittern, Abenteurern

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 12. Juli 2025 in Literatur

Anthony Bale: Reisen im Mittelalter. Unterwegs mit Pilgern, Rittern, Abenteurern. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2024. ISBN: 978-3-10-397144-6, 479 Seiten

Ein unterhaltsam geschriebenes Sachbuch, das dem Leser die Motive, Freuden und Strapazen des Reisens im Mittelalter nahebringen will. Die Struktur des Buches ist sinnvoll und nachvollziehbar, der Mittelalterwissenschaftler Anthony Bale beginnt mit einer Darstellung der Welt, wie sie um 1500 etwa anhand des Behaim-Globus bekannt war. Danach schließen sich Reisebeschreibungen an, die aus Sicht verschiedener Reisender den Weg exemplarisch beginnend in England über Rom und das Mittelmeer bis ins Heilige Land darstellen. Zu den Zeiten reiste man nicht einfach so, sondern befand sich auf einem Kreuzzug oder pilgerte an die Stätten Jesu. Durch weitreichende Handelsbeziehungen war bereits ein überraschend großer Teil der Welt bekannt. Immer wieder können wir einen Blick auf Details werfen, etwa die Plage mit Ungeziefer oder die Gefahr, überfallen zu werden. Interessante Preistafeln der Zeit geben weitere Einblicke.

Doch endet das Buch nicht bei Jerusalem, neben Rom einem der wichtigsten Pilgerziele, sondern folgt Händlern und Entdeckern nach Afrika und entlang der Seidenstraße bis nach Asien. Ein Blick in den Westen und den fernen Norden und Süden schließt die gedankliche Weltreise ab. Dabei gefiel mir der Wechsel von allgemeinen Betrachtungen, etwa dem regen Handel mit Reliquien und den konkreten Erlebnissen der Reisenden. Damit finde ich die Beschreibung sehr lebendig und gut nachvollziehbar. Einzig der Schreibstil war für mich etwas nüchtern, zumindest kam mir das im hinteren Teil des Buches so vor. Doch das sollte dem Werk insgesamt keinen Abbruch tun, ausführliche Verzeichnisse der Quellen und Namen sowie weiterführende Literatur helfen, sich im Detail noch tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Aufwändig recherchiert ist das Buch, und dabei dennoch unterhaltsam präsentiert.

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J.L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse 3

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 12. Juli 2025 in Literatur

J.L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse 3. Heyne, München 2013. ISBN: 978-3-453-43633-6, 495 Seiten

Der Autor Bourne nimmt uns zum dritten Mal mit in die nahe Zukunft, wo der größte Teil der Menschheit durch ein unbekanntes Virus zu blutrünstigen Zombies verwandelt wurde. Der Held unserer Reihe ist einer der wenigen überlebenden Menschen und hat sich in den ersten beiden Teilen so gut es geht mit einigen weiteren Überlebenden auf die Situation eingerichtet. Als Offizier ist er inzwischen wieder aktiv in den Resten des ehemaligen US-Militärs, aufgrund seines erfolgreichen Überlebens bei einer fehlgeschlagenen Mission wurde er für ein besonderes Vorhaben ausgewählt. Er soll an Bord eines U-Boots zu einer Forschungseinrichtung in China reisen, um dort den Patient Zero zu finden, um damit ein Heilmittel für das Virus zu finden. Im Verlauf der Story erfährt unser Held einige beunruhigende Dinge als Hintergrund, die Einflüsse nicht von dieser Welt nahelegen. Auch die Erlebnisse der anderen Überlebenden sind durchaus wieder dramatisch, für Spannung ist bis zum Ende des Buchs gesorgt.

Mir gefällt die Reihe bisher gut, die kurzen Kapitel und häufigen Szenenwechsel sorgen für rasanten Lesefluss, die Spannung bleibt durch viele Wendungen und Überraschungen stets hoch. Der Autor hat den Plot von einer ursprünglich klassischen Zombie-Invasion stetig weiterentwickelt, es bleibt spannend und einige Dinge sind auch im dritten Teil noch nicht aufgeklärt. Teil 4 wartet schon auf meinem Lesestapel.

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Jack Kerouac: Unterwegs

Geschrieben von Ralph Troppmann am Donnerstag, 29. Mai 2025 in Literatur

Jack Kerouac: Unterwegs. Rohwolt, Reinbek 1988 (1957). ISBN: 978-3-499-22225-2, 379 Seiten

Die Handlung des Buchs spielt kurz nach dem zweiten Weltkrieg in den USA. Der junge Sal erzählt von seinem Leben in New York, er ist Schriftsteller. Zum Schreiben kommt er jedoch eher selten, viel länger ist er mit seinen Freunden unterwegs, auf Partys, beim Abhängen oder auf einer ihrer Touren. Diese führen gewöhnlich quer durch die USA zur Westküste und zurück, wobei die Touren durchweg gut für Abenteuer sind. Stets knapp bei Kasse, ergaunern sie sich unterwegs Benzin für verschiedene Automobile, mit denen sie fahren, Alkohol und Lebensmittel. Zuweilen fahren sie auch mit dem Bus und arbeiten zwischendrin, um sich das nötige Geld für die Weiterfahrt zu verdienen. Oft geht es darum, hübsche Mädchen herumzukriegen. Einige der Freunde heiraten im Verlauf der Geschichte, oder lassen sich auch wieder scheiden. Nur sich gegenseitig zu besuchen und dazu das Land zu durchqueren, ist eine der Konstanten - kam zu Hause, ergreift Sal früher oder später doch wieder das Fernweh.

Die Geschichte finde ich mitreißend geschrieben, der Autor hat hier seine eigenen Erlebnisse verarbeitet. Das Umfeld und die Handlung lässt gut in die Zeit nach 1945 in den USA und Mexiko blicken, vor allem die Jugendkultur mit Freunden, Liebe, Freiheit, Alkohol und Musik.
Spannend geschrieben und gut lesbar, halte ich es für gut geeignet, dem langweiligen Alltag zu entfliehen. Man bekommt beinahe Lust, auch auf eine solche Reise zu gehen, was in der heutigen Zeit so leider nicht mehr möglich ist.

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Theresa Hannig: Pantopia

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 3. Mai 2025 in Literatur

Theresa Hannig: Pantopia. Fischer Tor, Frankfurt am Main 2022. ISBN: 978-3-596-70640-2, 462 Seiten

Patricia hat ihr Studium in München beendet, sie hat sehr erfolgreich an künstlicher Intelligenz geforscht. Doch statt zu promovieren, zieht es sie in die Wirtschaft. Zusammen mit Henry nimmt sie beim Unternehmen DIGIT an einem Wettbewerb teil. Sie sollen in Konkurrenz zu weiteren Teams eine KI entwickeln, die an der Börse erfolgreicher handelt kann, als menschliche Trader. Am Anfang läuft es trotz des Vorsprungs durch die Arbeit im Studium eher zäh, die KI scheint einen Bug zu haben. Doch im Gegenteil, die KI hat sich zu einer sogenannten starken KI entwickelt, die ein Bewusstsein besitzt und sich selbst Ziele setzt. Im Dialog mit Patricia und Henry kristallisieren sich größere Ziele heraus - die KI will nichts weniger, als die Welt zum Besseren verändern. Aus Angst, dass Geheimdienste oder Staaten die KI in Besitz nehmen oder sogar löschen, halten sie alles geheim und entwickeln einen Plan, wie sie ihr Ziel verwirklichen können.

Die Geschichte spielt zum großen Teil in München in der heutigen Zeit. Neben der Haupgeschichte erfahren wir einiges über die Motive der Personen und es entwickeln sich (nicht unkomplizierte) Beziehungen. Die Handlung nimmt relativ schnell an Geschwindigkeit auf - ganz wie die exponentielle Lernkurve der KI und die Entwicklung des Plans. Der Schreibstil ist flüssig und die Handlung nachvollziehbar, das Ziel der Weltverbesserung ist zwar hoch gegriffen, den Ansatz dazu habe ich so noch nicht gesehen, ich finde ihn durchaus wert, darüber nachzudenken. Die Abläufe um die Finanzierung sind mir etwas knapp geraten, aber insgesamt finde ich das Buch lesenswert, es bereichert duch die andere und moderne Herangehensweise an die Gründung einer Weltrepublik.

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Larry Niven: Ringwelt

Geschrieben von Ralph Troppmann am Dienstag, 22. April 2025 in Literatur

Larry Niven: Ringwelt. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1993 (1970). ISBN: 3-404-24168-1, 332 Seiten

Hin und wieder reizt es mich, schon etwas angestaubte Bücher aus dem Regal zu holen, diesmal eines mit der Jahreszahl 1970 der Originalausgabe (ist trotzdem gebraucht und neu noch gut erhältlich).

Die Geschichte spielt in etwas fernerer Zukunft, verschiedene Rassen besiedeln das Weltraum. Eine Gruppe aus zwei Menschen, einer raubkatzenähnlichen Spezies und ein schwer zu beschreibendes Puppetier begeben sich auf den Flug zu einer Besonderheit im All - einer Ringwelt. Diese scheint sehr alt und verlassen zu sein, es ist ein gigantisch großer Ring, der sich um eine Sonne dreht und dessen Innenseite eine vielfältige Landschaft aufweist. Beim Versuch zu landen wird das Schiff von möglicherweise automatischen Laserkanonen abgeschossen. Die Gruppe legt eine Bruchlandung auf der Innenseite hin und muss sich überlegen, wie sie der Ringwelt wieder entkommen können. Dabei lernen sie viel über die Ringwelt, ihre Bewohner und Erbauer, aber auch über sich und das Verhältnis ihrer Spezies untereinander.

Schon als mein Exemplar 1993 in deutsch erschien, war dieses Buch bereits ein Klassiker der Science Fiction. Besonders gefällt mir an diesen älteren Büchern die oftmals durchaus plausible und überlegte Szenerie. Manches erscheint unfreiwillig komisch, hat sich doch vieles seitdem weiterentwickelt und damals unvorstellbares ist heute für uns alltäglich. Doch einige Konzepte sind nach wie vor interessant, es geht oft mehr um die Personen und Ideen bzw. Konzepte, weniger um futuristisches Schmuckwerk. Für SciFi-Fans auch heute noch lesenswert, auch die Folgebände sind für kleines Geld gebraucht erhältlich.

 

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Jussi Alder-Olsen: Das Alphabethaus

Geschrieben von Ralph Troppmann am Dienstag, 22. April 2025 in Literatur

Jussi Alder-Olsen: Das Alphabethaus. dtv, München 2021. ISBN: 978-3-423-21952-5, 588 Seiten

Die Geschichte beginnt im zweiten Weltkrieg, die beiden britischen Piloten James und Bryan brechen in der letzten Phase des Krieges zu einer Aufklärungsmission über Deutschland auf. Während ihres Fluges werden sie abgeschossen, überleben aber und versuchen zu entkommen. Nach kurzer Zeit bemerken und verfolgen deutsche Soldaten die beiden. Als sie an eine Bahnlinie kommen und zufällig ein Zug vorbeifährt, springen sie schnell entschlossen auf. Bei dem Zug handelt es sich um einen Krankentransport von der Ostfront. Um nicht entdeckt zu werden, beschließen sie, zwei schwerverletzte Soldaten aus dem Zug zu werfen und nehmen ihren Platz in den Betten ein. Sie tätowieren sich sogar die Blutgruppe auf den Arm, so wie es bei der SS üblich ist - allerdings passt ihre eigene nicht zu den Patienten, die sie ersetzen - eine schwierige Entscheidung.

Schließlich werden sie in ein Lazarett in Freiburg im Südwesten Deutschlands gebracht, noch weit von der Front. Dort stellen sie fest, dass sie in einem Haus mit geistig Kranken untergebracht werden. Ziel der Ärzte ist, die Soldaten so schnell wie möglich wieder fronttauglich zu machen und mögliche Simulanten zu enttarnen, die sich dem Dienst an der Front entziehen wollen. James und Bryan bleibt nichts anderes übrig, als sich ebenfalls psychisch krank zu stellen und auf eine Gelegenheit zur Flucht zu warten. Doch die rabiate Behandlung mit Psychopharmaka und Elektroschocks bleibt nicht folgenlos. Zudem scheinen sie nicht die einzigen Simulanten zu sein.

Um nicht zu viel zu verraten, ende ich hier mit der Beschreibung der Geschichte, die sich noch bis weit nach Kriegsende erstrecken wird.

Das Buch fand ich anfangs spannend, dann aber auch sehr bedrückend: die Beschreibung der tatsächlich und zum Teil auch nur vorgeblich Kranken und die drastische Behandlung vor allem gegen Kriegsende, als jeder auch nur halbwegs taugliche Mann gebraucht wird, ist sehr plastisch. Im späteren Verlauf geht es in eine eher kriminalistische Erzählung über, die aber auch hier immer wieder überraschende und tiefgreifende Wendungen erfährt. 
Ich finde das einen gelungenen Roman mit (sogar in einem kleinen Anhang belegten) historischen Fakten, der viele Themen behandelt: Rache, Flucht, Verrat, medizinische Experimente werden auf dem Cover genannt.

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Annie Jacobsen: 72 Minuten bis zur Vernichtung. Atomkrieg. Ein Szenario

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 15. März 2025 in Literatur

Annie Jacobsen: 72 Minuten bis zur Vernichtung. Atomkrieg. Ein Szenario. Heyne, München 2024. ISBN: 978-3-453-21878-9, 400 Seiten

Ein gewisses Grundinteresse habe ich an diesen Themen, Kindern des kalten Krieges mit dem ständigen Damoklesschwert eines atomaren Krieges und allgegenwärtigen militärischen Aktivitäten im Hinterkopf geht es vermutlich ähnlich. Um so froher waren wir doch, dass diese Themen Vergangenheit schienen. Die weltpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre lassen jedoch einen Rückschritt befürchten.

Umso wichtiger finde ich, sich die Schrecken und Konsequenzen eines Atomkrieges immer wieder vor Augen zu führen. Damals gab es einige bekannte Bücher und Filme, die das Ergebnis und die letztendliche Sinnlosigkeit der atomaren Auf- und Wettrüstung eindrücklich zeigten. Einen vergleichbaren Ansatz wählt hier Annie Jacobsen. Sie beschreibt einen wahrscheinlichen Ablauf vom Start der ersten Rakete mit nuklearem Sprengkopf bis zur quasi unaufhaltsamen Vernichtung der Zivilisation - was, wie der Titel vorwegnimmt, gerade einmal 72 Minuten dauern wird.

Die Abläufe und verwendeten Prozesse und Techniken sind zum Teil bereits allgemeines Kulturwissen, zum Teil akribisch aus Archiven recherchiert, bei denen die Geheimhaltungsfristen abgelaufen sind. Da trotzdem noch vieles geheim ist und bleibt, wurden auch Aussagen von früheren Akteuren des kalten Krieges eingeflochten. Diese Quellen, Anmerkungen und Verzeichnisse allein machen schon über 50 Seiten des Buches aus.

Genau wird man es nie vorhersagen können, doch die fundierte Beschreibung und wahrscheinliche Abläufe lassen vermuten, dass es tatsächlich so geschehen könnte. Besonders erschreckend ist hier, dass die Rakete zwar von Nordkorea gestartet wird, der Gegenschlag der USA dann von aber Russland als direkter Angriff fehlinterpretiert wird.
Sehr gut fand ich den Passus, dass ein Präsident als Oberbefehlshaber und alleiniger Entscheider über den Atomwaffeneinsatz gar nicht auf so etwas vorbereitet wird und auch nicht vorbereitet werden kann. Es muss in wenigen Minuten und auf Basis unvollständiger Informationen eine Entscheidung getroffen werden, die unübersehbare Auswirkungen hat. Aus diesem Grund gibt es lange vorab definierte Prozeduren, die eine Eskalation allerdings kaum vermeiden lassen. Wenn die Entscheider nicht miteinander kommunizieren können oder wollen, ist eine friedliche Lösung nicht mehr möglich.

Für mich lesenswert - man kann aus der Geschichte vieles lernen, wenn man es denn will.

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Kris Brynn: The Shelter. Zukunft ohne Hoffnung

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 15. März 2025 in Literatur

Kris Brynn: The Shelter. Zukunft ohne Hoffnung. Bastei Lübbe, Köln 2018. ISBN: 978-3-7413-0131-5, 326 Seiten

Erneut ein dystopischer Near-Future-Roman, diesmal spielt die Handlung um London in einer Zeit nach einer verheerenden Krankheit.
Die Grenzen wurden abgeschottet und da es kein Heilmittel gab, wurde ein riesiges Habitat gebaut, in das die Infizierten gebracht wurden. Die Gesunden werden ständig biometrisch überwacht, um auch sie beim kleinsten Anzeichen in das Habitat zu bringen.

Unser Held Rick lebt in London, allerdings wurde auch seine Freundin nach ersten Krankheitzeichen abgesondert. Die Regierung versorgt das Habitat, kümmert sich aber sonst nicht weiter um dessen Bewohner.
Eines Tages wird auch Rick von den zur Zeit der Handlung allgegenwärtigen Androiden in das Habitat gebracht, obwohl er gar nicht krank ist. 
Die Situation im Habitat ist ihm zunächst unklar, doch schnell stellt er fest, dass im Habitat Dinge vorgehen, über die von Außen niemand weiß.

Rick soll eine bestimmte Rolle einnehmen, und alles scheint sich für ihn gut zu entwickeln. Doch nach Kontakt mit verschiedenen Fraktionen ist sich Rick nicht mehr so sicher und die Lage spitzt sich zu, um auf ein dramatisches Finale zuzulaufen.

Die Geschichte fand ich durchaus interessant, manchmal etwas vorhersehbar. Insgesamt ergibt sich ein Szenario, das in mehreren Aspekten zum Nachdenken anregt. Gerade das Verhalten der Androiden ist unerwartet, manches Detail ist mir mangels klassischer britischer Bildung vielleicht auch noch entgangen - Shakespeare spielt eine gewisse Rolle. So ganz war mir am Ende nicht klar, ob es sich um eine gesellschaftskritische Dystopie oder doch um einen Thriller handeln soll - insgesamt jedoch kein schlechtes Buch, das für mich noch etwas ausbaufähig erscheint.

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Neal Stephenson: Termination Shock

Geschrieben von Ralph Troppmann am Montag, 6. Januar 2025 in Literatur

Neal Stephenson: Termination Shock. The Borough Press, London 2022. ISBN: 978-0-00-840440-6, 708 Seiten

Der Autor Neal Stephenson ist bekannt für seine technisch fundierten Romane, die meist mit realen Bedrohungen spielen und mehr oder weniger im Jetzt handeln. So auch in diesem Buch, das sich mit dem menschengemachten Klimawandel befasst. Es beginnt in den Vereinigten Staaten mit einem geheimen Treffen von Personen, die Organisationen vertreten, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. Neben Adligen aus Venedig ist auch unsere Heldin Frederika Mathilde Louisa Saskia dabei, Königin der Niederlande, nennen wir sie im folgenden einfach Saskia. Das Treffen kommt erst einmal nicht so zu Stande wie geplant, Saskia legt mit ihrem Privatjet eine unverschuldete Bruchlandung hin und ein wütender Hurrican tut sein übriges. Nebenbei werden einige weitere, wichtige Akteure in eigenen Handlungssträngen eingeführt, deren Zusammenhang zum Teil erst sehr spät erkennbar wird.

Wichtig ist ein Mann namens T.R., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Auswirkungen des Klimawandels durch sogenanntes Geoengineering zu bremsen. Dabei soll die Erwärmung regional gebremst werden, um die Erhöhung des Meeresspielges zu bremsen, die niedrig liegende Länder gefährdet. Die Eingriffe in das System haben aber auch weitere Folgen, die anhand Simulationen von Klimamodellen sichtbar werden. Damit macht sich T.R. auch mächtige Feinde, da es regional auch nachteilige Folgen geben kann.

Das Buch liest sich sehr spannend, es kommen unterschiedlichste Charaktere zum Zuge, bei einzelnen überlegt man lange, wie die schlussendlich ins Bild passen. Die Dramatik der Klimaerwärmung wird anhand von einzelnen, dramatischen Ereignissen beschrieben und auch die Diskussion darum, ob Geoengineering wirklich umgesetzt werden sollte, kommt nicht zu kurz. Die persönliche Seite von Saskias Leben als alleinerziehende Mutter, die im politischen System ihres Landes eingebunden ist, rundet die Geschichte sehr schön ab. Zum Ende spitzt sich die Handlung dramatisch zu, es bleibt bis zur letzten Seite spannend. Von mir eine klare Empfehlung.

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Robin Hill: Strom

Geschrieben von Ralph Troppmann am Montag, 6. Januar 2025 in Literatur

Robin Hill: Strom. penhaligon, München 2024. ISBN: 978-3-7645-3266-6, 459 Seiten

Die Geschichte handelt von einer jungen Frau namens Fiora, die mit ihrem Vater und ihrer Halbschwester in einer abgeschiedenen Stadt lebt. Das zivilisatorische Niveau befindet sich irgendwo zwischen Mittelalter und neuzeitlicher Technologie und wird recht ansprechend beschrieben. Fiora ist in einer Außenseiterrolle, da sie als Tochter einer "Dunklen" von den meisten Menschen misstrauisch oder sogar offen feindselig behandelt wird. Durch besondere Leistung strebt sie eine Position als Gelehrte an. Eines Tages erscheint ein geheimnisvoller reisender Händler, den sie schließlich bittet, sie mit in die Welt zu nehmen. Dies lehnt er ab. Firoa macht erste Erfahrungen mit dem "Strom", eine Empfindung, die sie bei bestimmten Ereignissen oder Personen hat. Als später ein Vertreter eines feindlichen Gottes in die Stadt kommt, um das strombegabte Mädchen zu holen, flieht Fiora in die Wildnis, der Abgesandte nimmt stattdessen ihre Schwester mit. Auf der Flucht lernt Fiora vieles über die Welt, erlebt schreckliche Ereignisse und trifft auch den geheimnisvollen Händler wieder. Die Handlungen der Götter werden im Hintergrund immer wieder beschrieben und Fiora beginnt, in diesem Spiel eine gewichtige Rolle zu spielen.

Das Setting hat mir gut gefallen, eine interessante Mischung aus Fantasy mit realen Elementen. Die Heldin und ihre Motive werden schön beschrieben, immer wieder hadert sie mit sich selbst, bleibt sich in ihren Entscheidungen jedoch stets treu. Trotz des Umfangs lässt sich das Buch schnell und flüssig lesen, ich kann es empfehlen.

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J.L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 5. Januar 2025 in Literatur

J.L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse. Heyne, München 2010. ISBN: 978-3-453-52793-5, 335 Seiten

Die mediale Zombie-Welle ist eigentlich schon wieder vorbei, mit dem Buch bin ich auch etwas spät dran, es ist 2010 erschienen. Dennoch hat es Spaß gemacht zu lesen.

Wir lesen eine Art Tagebuch unseres Helden, der als Pilot bei der US-Armee tätig ist. Es beginnt harmlos mit Berichten über eine Art Grippe, die in China um sich greift. Nach kurzer Zeit wird die Nachrichtenlage verworren und das Virus scheint weltweit um sich zu greifen. Die Symptome stellen sich so dar, dass die Opfer nach kurzer Zeit am Virus sterben und danach als Untote wieder aufwachen. Wird man von einem solchen gebissen, ereilt einen das gleiche Schicksal.

Unser Helt bereitet sich bestmöglich vor, Wasser, Nahrung, Energie, Waffen, alles wird schnell organisiert. Er überlebt, um ihn herum gibt es jedoch nur noch Zombies. Nach einiger Zeit bemerkt er einen weiteren Überlebenden in seiner Nachbarschaft und gemeinsam verlassen sie die Stadt. Die Reste der Regierung haben nämlich angekündigt, die großen Städte mit Atomwaffen zu bombardieren, um die größten Ansammlungen der Zombies auszulöschen. Die Ergebnisse sind jedoch eher durchwachsen und unsere Beiden Helden suchen nach einer sicheren Bleibe und weiteren Überlebenden.

Der Roman ist flüssig geschrieben und durchaus humorvoll. Da das Buch in kurze Tagebucheinträge gegliedert ist, die zum Teil mit kleinen Zeichnungen ergänzt sind, kommt man auch nach einer Pause wieder sehr schnell in die Geschichte. Die Gedanken und Sorgen der Beteiligten finde ich gut beschrieben, die Überlebensstrategie durchaus plausibel. Trotz allen Horrors besteht Hoffnung. Das Buch habe ich in einem Tag gelesen, Fortsetzungen wurden angekündigt und sind bisher bis Teil 4 erhältlich. Ich kann es empfehlen.

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Grace Curtis: Das Raumschiff das vom Himmel fiel

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 5. Januar 2025 in Literatur

Grace Curtis: Das Raumschiff das vom Himmel fiel. Heyne, München 2023. ISBN: 978-3-453-32257-8, 335 Seiten

Das Buch beginnt in einem interessanten Umfeld, irgendwie eine Mischung aus klassischem Western und Endzeitszenario. Zwei Männer finden einen abgestürzten Satelliten und wollen den zusammen mit einer Frau bergen. Da sie sich aus dem Verkauf eine gute Prämie erwarten, versuchen sie die Anzahl der Beteiligten zu reduzieren - was damit endet, dass alle drei tot sind. Der Satellit ist auch gar keiner, sondern eine Rettungskapsel. Daraus entsteigt die Soldatin Rei, die daraufhin nach einer Möglichkeit sucht, ihr Raumschiff zu kontaktieren. Das fällt nicht leicht, die Bewohner der Erde haben es nicht mehr so mit moderner Technik und die Menschen aus dem Weltraum sind grundsätzlich verdächtig.

Im Verlauf der Geschichte erfährt man immer mehr über die vorherrschenden Verhältnisse auf der Erde und wie das so kam. Unsere Heldin trifft verschiedenen Personen, die ihr mehr oder weniger helfen. Erst später erfahren wir, warum sie überhaupt auf der Erde gestrandet ist, was im Weltraum passiert ist und wie sie der Situation entkommen möchte. Am Ende kommt es zum großen Showdown und sowohl für Rei, als auch die Erde ergeben sich trotz aller Probleme Chancen.

Das Buch las sich für mich sehr gut, die Geschichte ist schön stimmig geschrieben und die Ereignisse passen gut und nachvollziehbar zusammen. Daher kann ich es empfehlen, es handelt sich auch nicht um den klassischen SciFi-Ansatz, obwohl ich es in dieses Genre einordne.

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