Anthony Bale: Reisen im Mittelalter. Unterwegs mit Pilgern, Rittern, Abenteurern. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2024. ISBN: 978-3-10-397144-6, 479 Seiten
Ein unterhaltsam geschriebenes Sachbuch, das dem Leser die Motive, Freuden und Strapazen des Reisens im Mittelalter nahebringen will. Die Struktur des Buches ist sinnvoll und nachvollziehbar, der Mittelalterwissenschaftler Anthony Bale beginnt mit einer Darstellung der Welt, wie sie um 1500 etwa anhand des Behaim-Globus bekannt war. Danach schließen sich Reisebeschreibungen an, die aus Sicht verschiedener Reisender den Weg exemplarisch beginnend in England über Rom und das Mittelmeer bis ins Heilige Land darstellen. Zu den Zeiten reiste man nicht einfach so, sondern befand sich auf einem Kreuzzug oder pilgerte an die Stätten Jesu. Durch weitreichende Handelsbeziehungen war bereits ein überraschend großer Teil der Welt bekannt. Immer wieder können wir einen Blick auf Details werfen, etwa die Plage mit Ungeziefer oder die Gefahr, überfallen zu werden. Interessante Preistafeln der Zeit geben weitere Einblicke.
Doch endet das Buch nicht bei Jerusalem, neben Rom einem der wichtigsten Pilgerziele, sondern folgt Händlern und Entdeckern nach Afrika und entlang der Seidenstraße bis nach Asien. Ein Blick in den Westen und den fernen Norden und Süden schließt die gedankliche Weltreise ab. Dabei gefiel mir der Wechsel von allgemeinen Betrachtungen, etwa dem regen Handel mit Reliquien und den konkreten Erlebnissen der Reisenden. Damit finde ich die Beschreibung sehr lebendig und gut nachvollziehbar. Einzig der Schreibstil war für mich etwas nüchtern, zumindest kam mir das im hinteren Teil des Buches so vor. Doch das sollte dem Werk insgesamt keinen Abbruch tun, ausführliche Verzeichnisse der Quellen und Namen sowie weiterführende Literatur helfen, sich im Detail noch tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Aufwändig recherchiert ist das Buch, und dabei dennoch unterhaltsam präsentiert.