Marc Elsberg: Celsius. Blanvalet, München 2023. ISBN: 978-3-7341-0559-3, 605 Seiten
Der Autor hat durch einige aktuelle Themen auf sich aufmerksam gemacht, die gut recherchiert und in eine spannende Rahmenhandlung verpackt wurden. So auch in diesem Thriller, es geht um den Klimawandel, die Auswirkungen der globalen Erwärmung und um das Gedankenexperiment, wie es wäre, wenn mittels Geoengineering dagegen vorgegangen würde.
Hauptperson des Buches ist Fay, eine führende Klimawissenschaftlerin bei der UNO. Ein parallel laufender Handlungsstrang behandelt die Erlebnisse von Pat, einem Journalisten. Das Buch beginnt mit dem Start gewaltiger chinesischer Drohnen, die zunächst einen militärischen Angriff befürchten lassen. Doch schnell stellt sich heraus, dass China damit etwas ganz anderes bezweckt, nämlich nicht weniger, als das Weltklima zu beeinflussen. Durch das Ausbringen von bestimmten Stoffen in hohen Schichten der Atmosphäre soll die Sonneneinstrahlung verändert und eine dauerhafte Abkühlung erreicht werden.
Diese Veröffentlichung führt zu viel Unterstützung vor allem bei Ländern des globalen Südens, ist aber auch an harte Forderungen zur Senkung des CO2-Ausstoßes gekoppelt. Dies würde zu erheblichen Einschränkungen im Leben und der Industrie führen. Zugleich zeigt sich, dass eine globale Abkühlung nicht nur die Klimaerwärmung zurücknehmen, sondern auch zu einer Veränderung der bekannten Klimazonen mit sehr weitreichenden Auswirkungen führen würde.
Dies ergibt politische Diskussionen, die durch extreme Positionen noch angeheizt wird. Mitten darin versucht Pat die Hintergründe aufzuklären, was durch die beteiligten Mächte kein einfaches und ungefährliches Unterfangen ist. Fay wiederum versucht, die Entwicklung zu einem Konsens zu führen, wird aber auch von den Mächten im Hintergrund beeinflusst.
Sehr gut gefällt mir der Ansatz, aktuelle wichtige Themen in einen spannenden Roman einzubetten und doch nah an Fakten oder etablierten Modellen zu bleiben. Vor allem das Gedankenexperiment, was wäre, wenn die eingefahrenen Rollen von globalem Süden und Norden in Frage gestellt oder sogar umgekehrt würden, finde ich sehr lehrreich, besonders zum Ende des Buches hin wird das durchaus dramatisch weiterentwickelt. Die zumeist sehr kurzen Kapitel bauen eine gewisse zeitliche Dramatik auf, da sich ähnlich wie in Actionfilmen die Szenen sehr schnell abwechseln. Für Interessierte an dem Thema von mir eine Empfehlung.