Iain M. Banks: The Algebraist

Geschrieben von Ralph Troppmann am Dienstag, 31. August 2021 in Literatur

Iain M. Banks: The Algebraist
Orbit, London: 2004. 534 Seiten. ISBN: 978-1-84149-229-2

Dieses Buch habe ich mir 2006 in London mitgenommen, das Cover und der Rückentext sprachen mich an. Nach den ersten paar Dutzend Seiten war der Aufenthalt dort vorbei und das Buch landete erst einmal auf dem "zu lesen"-Stapel. Nach einiger Zeit nahm ich es wieder zur Hand, habe es aber nicht viel über die 100 Seiten Marke geschafft. Seitdem schlummerte es wieder im Stapel, bis dieser langsam zum statischen Problem wurde...

Daher habe ich mir ein Limit gesetzt, dass ich mir erst wieder neue Bücher zugestehe, wenn ich mindestens 3 Bücher vom Stapel gelesen habe. Hat natürlich nicht funktioniert, aber das ist eine andere Geschichte :-)

Jetzt habe ich das Buch doch fertig gelesen und philosophiere zwischenzeitlich darüber, warum es Bücher gibt, die ich spannend finde, die sich aber dennoch irgendwie schwer lesen. Gerade hier ist die Story so gut, aber beim Lesen schweiften meine Gedanken oft ab und einzelne Abschnitte habe ich letztendlich 5 oder 6 Mal gelesen, bis ich den Inhalt wirklich erfasst hatte.

Iain Banks ist ein schottischer Schriftsteller, damals weilte ich häufiger dort und habe mich mit der schottischen Art angefreundet. Ich meine, Werke schottische Autoren beim Lesen (wie hier) von denen englischer und auch amerikanischer Autoren unterscheiden zu können. Fragt mich aber nicht nach objektiven Merkmalen, das ist eher so ein Gefühl.

Egal, lasst mich zum Inhalt kommen:

Es handelt sich um einen Science Fiction Roman, der im Jahre 4034 spielt. Die Menschheit hat sich über die Galaxis verbreitet, zusammen mit anderen Spezies, von denen einige recht gut beschrieben werden. Held der Geschichte ist Fassin Taak, der zu einer Art Gilde von Forschern gehört, die sich der Aufgabe verschrieben haben, möglichst viel über die Spezies der Bewohner zu lernen. Diese Bewohner sind besondere Wesen, die einerseits als Spezies schon ewig existieren (fast so lange wie das Universum) und die andererseits als Wesen auch extrem alt werden können (Jahrmilliarden). Sie leben in Gasriesen und über die ganze Galaxis verteilt. Aufgrund des Alters ihrer Zivilisation gelten sie als sehr wissend, da sie über die Zeit für jedes Thema inzwischen die beste Lösung gefunden haben müssen.

Aufgrund kriegerischer Ereignisse wird Fassin überraschend vom Imperium rekrutiert, um zusammen mit anderen eine bevorstehende Invasion abzuwehren. Bei einer seiner Forschungsreisen auf den Gasplaneten Nasqueron ist er nämlich auf etwas gestoßen, was die Reisen in der Galaxis durch viele Wurmlöcher erheblich vereinfachen und beschleunigen würde. Das im System vorhandene, künstlich erzeugt Wurmloch wurde von Rebellen zerstört und bis zur Installation eines neuen sind Reisen auf Unterlichtgeschwindigkeit reduziert, können also Jahrhunderte dauern. Genau in diesem langen Transfer ist nun eine Invasionsflotte, die das Geheimnis der Wurmlöcher an sich reißen will und auch die imperiale Verstärkung - unsicher ist, wer zuerst ankommt.

Die Story ist eingebettet in kurze Abschnitte über die Jugendfreundschaft von 4 Personen, von denen eine Fassin ist, zwei andere erreichen hohe Positionen in zwei der beteiligten Parteien. Fassin selbst macht sich auf eine lange Reise, bei der er hauptsächlich mit Bewohnern, aber auch anderen Wesen und künstlichen Intelligenzen in Kontakt kommt.

Mir gefiel die Story sehr gut, der Hauptstrang wird immer wieder aufgelockert durch Szenen aus der Jugend und aus der Sichtweise anderer Beteiligter, etwa dem brutalen Lusiferus, Anführer der Invasionsflotte. Es gibt immer wieder überraschende Wendungen und die Lösung des Rätsels selbst fand ich besonders unerwartet. Die Spezies sind besonders bei den Bewohnern gut dargestellt und auch deren ganz andere Art kommt gut zur Geltung.

Von mir eine Empfehlung für Freunde des Genres, aber auch eine kleine Warnung, da ich mir beim Lesen ungewohnt schwer getan habe.

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Die Finsternis zwischen den Sternen

Geschrieben von Ralph Troppmann am Dienstag, 27. Juli 2021 in Literatur

Christopher Ruocchio: Die Finsternis zwischen den Sternen
Heyne, München: 2021. 1068 Seiten. ISBN: 978-3-453-31829-8

Nach dem ersten Teil "Das Imperium der Stille" habe ich gespannt auf den zweiten Teil der Sonnenfresser-Saga gewartet. Die Geschichte um Lord Hadrian Anaxander Marlowe setzt sich fort mit der Roten Kompanie, einer Söldnertruppe. Diese wurde von ihm zusammen mit Lady Raine Smythe als Deckmantel ins Leben gerufen, um verdeckt nach dem geheimnisvollen Planeten Vorgossos zu suchen. Hinter dieser Fassade hat jedoch der imperiale Captain Bassander Lin das Sagen, was im Verlauf der Geschichte zu erheblichen Spannungen führen wird.

Der Planet Vorgossos soll Hadrian bei seinem Versuch, den Krieg mit den Cielcin zu beenden. Die Rote Kompanie gelangt tatsächlich auf diesen Planeten und kommt mit dem dort residierenden Ewigwährenden in Kontakt, einer Figur, die eigentlich nur aus Mythen bekannt ist.

Hadrian erlebt, dass vieles nicht ist, wie es scheint und steht vor Entscheidungen, die den Krieg beenden könnten. Die Geschichte nimmt jedoch stets einige überraschende Wendungen...

Das Buch ist erneut sehr umfangreich, der Autor Ruocchio beschreibt die Szenen sehr ausführlich. Er gibt einen tieferen Einblick in die neofeudale Welt, die Menschheit stammt schließlich von der Erde und die Strukturen sind an das römische und britische Imperium angelehnt.
Die Interaktion zwischen den Protagonisten wird ausführlich beschrieben, auch die Gefühlswelt des Helden findet genügend Raum. Besonders, als es um vertraute Personen und ihr sich veränderndes Verhältnis zum Helden geht oder dieser schwere Entscheidungen treffen muss, beschreibt der Autor alles sehr ausführlich. 

Die Geschichte ist somit sehr stimmig, wenn für mich persönlich auch nicht ganz so mitreißend wie im ersten Buch. Aber Die Entwicklung findet hier auch auf anderen Ebenen statt, somit kann ich das Buch trotzdem empfehlen. Bei zwischenzeitlichen Verwirrungen hilft übrigens wieder ein ausführlicher Anhang mit Begriffen, Orten und Personen.

Was bleibt, ist die gespannte Erwartung auf das nächste Buch.

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T.S. Orgel: Behemoth

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 20. Juni 2021 in Literatur

T.S. Orgel: Behemoth
Heyne, München: 2021. 574 Seiten. ISBN: 978-3-453-32113-7

Drei Raumschiffe, drei Welten, eine dunkle Gefahr: der Rückentitel von Behemoth trifft es schon sehr gut. Die Handlung spielt im 24. Jahrhundert und springt anfänglich zwischen den Weltenschiffen Zheng He, Tereschkowa und Venta Chitrui sowie dem Mars Mitte bzw. Ende des 22. Jahrhunderts hin und her.

Anfangs handelt die Geschichte von Prospektoren, die Mitte des 22. Jahrhunderts zu Beginn des Terraformings auf dem Mars eine ungewöhnliche Entdeckung machen. Ende des Jahrhunderts entstanden die drei Weltenschiffe, jeweils 2 Kilometer lang und einen halben Kilometer durchmessend, je eines von der Erde, dem Mond und dem Mars, in den Farben gold, silber und rot. In diesen Schiffen machen sich jeweils tausende Menschen auf eine 150 Jahre dauernde Reise zu einem nahen Stern um diesen dann zu besiedeln.

Wir stoßen nach etwa einhundert Jahren wieder zu den Schiffen, die sich mittlerweile voneinander entfremdet haben, aber noch immer durchs All fliegen. Doch dann veranlasst etwas die Schiffe, ihren Kurs zu ändern...

Die Geschichte gefällt mir, die Brüder Tom und Stephan Orgel führen den Leser in ganz unterschiedliche Welten. Von der anfänglichen Außenposten-Stimmung auf dem Mars über die asiatisch geprägte Gesellschaft auf der Zheng He hin zu einer beinahe endzeitlichen Situation auf der Tereschkowa. So unterschiedlich diese Orte sind, so spannend wird es, als sich die Bewohner der drei Schiffe begegnen. Anfänglich fühlte ich mich in der Mitte des Buchs an Rama erinnert, doch nimmt die Story unerwartete Wendungen und überrascht damit den Leser mit immer neuen, jedoch stets plausiblen neuen Ideen.

Von mir eine Empfehlung!

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Ralph W. Troppmann: Zeit ist Geld ist Zeit

Geschrieben von Ralph Troppmann am Dienstag, 18. Mai 2021 in Literatur, Projekte

(Kurzgeschichte zum Thema Geld der Zukunft)

 

„Die besten Dinge im Leben kosten kein Geld“ - ich musste an meinen ehemaligen Kybernetik-Professor denken, der diesen Spruch in seinen philosophischen Momenten zitiert hatte. Konzentriert grübelte ich, was die besten Dinge im Speicher dieses Konstrukts mir gegenüber waren.

Und wie ich da heran kam.

Meine bisherigen Versuche, direkt in den Kode zu schauen, waren ausnahmslos gescheitert.

Warum nicht einfach mal fragen? Da mir gerade nichts besseres einfiel, formulierte ich einen passenden Aufruf.

#IWA>ZEIGE_KODE

#FEHLER!

Mist!

Naja, eigentlich hatte ich das erwartet.

Hat also wieder nicht funktioniert.

Müde klappte ich mein tragbares Kodiergerät zusammen und fischte eine Zigarette aus meiner Westentasche.

Ich saß unter der Überdachung der Anlieferrampe eines der vielen um diese Zeit verlassenen Lagerhäuser und zog gedankenverloren an meiner Zigarette. Vor mir tropfte der ständige, leichte Regen aus Kondenswasser zu Boden. Die Verwaltung des Arkoplex hatte es vor Jahren aufgegeben, die Feuchtigkeits- und Ablaufsysteme der gigantischen Kuppel weiter Instand zu halten. Angeblich gab es technische Schwierigkeiten. In Wirklichkeit waren einfach nur nach und nach die öffentlichen Dienste in die Hand von Konzernen geraten und die hatten neben der Profitmaximierung an eigentlich nichts weiterem Interesse. Schon gar nicht an der kostspieligen Wartung öffentlicher Infrastruktur.

Egal, ich schnippte meine Kippe in Richtung eines durchnässten Haufens Abfall ein paar Schritte neben mir und startete einen weiteren Versuch.

#VERBINDUNGSAUFBAU

Unbewusst presste ich meinen Daumen gegen meine rechte Schläfe, um meinen Verbindungsknoten wieder zu unterdrücken. Jen hatte mir einen ihrer Freunde empfohlen, der als Techniker für organische Kybernetik im Gesundheitszentrum arbeitete. Dieser hatte mir diesen höchst illegalen Unterdrückungsschalter eingesetzt, eine winzige und unauffällige Anpassung meiner bioelektrischen Verdrahtung, die es mir erlaubte, kurzzeitig aus der allgegenwärtigen Verbindung mit dem KybernetZ zu entschwinden. Dabei war der Verbindungsknoten, die kybernetische Verbindung aller Bewohner des Arkoplex zum KybernetZ, absolut entscheidend für das Gelingen unseres Plans. Doch ich konnte es nicht riskieren, als einer der Urheber des Plans enttarnt zu werden. Zumindest nicht, bevor wir Erfolg hatten. Daher hatte ich mich während der Arbeit mit meinem Kodiergerät durch das zeitweilige Abschalten des Verbindungsknotens getrennt und stattdessen mit einem Decknamen gearbeitet: KarMa.

Ich musste schmunzeln, als ich an diese Ironie dachte. KarMa stand für einen Karl Marx, jemanden der vor mittlerweile gut zweihundert Jahren ein Buch mit dem Titel einer Konzepts verfasste, dessen Grundgedanken wir eigentlich bekämpften: Das Kapital. So jedenfalls hatte es mir Jen in einer jener langen Nächte erzählt, in denen wir bei Ihr abhingen und stundenlang redeten.

Uns einte eine Vision:

Der Wunsch nach einer anderen Welt.

Einer gerechteren Welt.

Oder zumindest einer etwas besseren Welt.

Jen war der intellektuelle Typ, der alles diskutieren wollte. Daher versuchte sie auch, die Welt davon zu überzeugen, von selbst besser werden zu wollen. Sie war in den Untergrundforen aktiv und verfasste Flugblätter und Pamphlete. Nicht, dass das viel bewirken würde. Die Menschen hatten genug damit zu tun, über die Runden zukommen. Kaum jemand konnte es sich leisten, Zeit und Energie in solche umstürzlerischen Ideen zu stecken. Geschweige denn, dass jemand das Risiko eingehen würde, bei solchen Aktionen erwischt zu werden. Gut, offiziell gab es ja Recht und Gesetz. Aber faktisch lag die Macht bei den wenigen Konzernen, die praktisch den kompletten Arkoplex besaßen und die Kontrolle über die Warenströme und den Informationsfluss haben.

#VERBUNDEN

#ANMELDUNG

#NAME?>_

Ich gab den Namen VERWALTER ein rief im Hintergrund meine Sammlung kleiner Werkzeugen auf, um mir wieder Zugang zu Ibicom verschaffen, jenem kleinen Kommunikationsnetzbetreiber, den ich als Sprungbrett für meine Exkursionen nutzte.

#PASSPHRASE?>_

Einen Fingertipp später war ich drin, zu meinem Glück ließ sich das Einmalpasswort aus der aktuellen Uhrzeit und einem Kodeschnipsel zusammenfügen.

#BEREIT

#IBICOM>_

Den Kodeschnipsel hatte ich auf einer zwar öffentlichen, aber nur für wenige Eingeweihte überhaupt bekannten Plattform entdeckt. Egal, ich war jetzt der VERWALTER und begann, nach IWA zu suchen. IWA war die alles verwaltende künstliche Intelligenz, die vor Jahrzehnten geschaffene zentrale Instanz, die alle Bewegungen überwachte. Und zwar die Bewegungen von allem: Menschen, Fahrzeugen, Gütern, Dienstleistungen, Geldströmen, Informationen. Es war nicht überliefert, wofür die Abkürzung IWA stand - ich hatte mir eine Bedeutung überlegt: IWA Weiß Alles. IWA war das Werkzeug, mit dem die Konzerne ihre Macht sicherten und ausbauten, indem sie kontrollierten, wer wann was abgab oder bekam.

Und die Konzerne steuerten auch.

Sie steuerten die Politik, die wohl nur noch aus Marionetten bestand.

Die Informationen.

Eigentlich alles.

Sie steuerten, welche Arbeit wie bezahlt wurde (gewöhnlich schlecht). Und sie steuerten, wohin das mit der Arbeit verdiente Geld floss (gewöhnlich in der Pyramide der Arbeitshierarchien nach oben). Und sie bestimmten, wer in den Hierarchien ganz oben saß. Und was dort mit dem ganzen Geld geschah. Und wie es gelingt, dies zu vermehren, ohne selbst dafür arbeiten zu müssen.

#IBICOM>SUCHE_IWA.....

Gefunden! Als allumfassende künstliche Intelligenz, die den ganzen Laden hier verwaltet, musste man IWA eigentlich nicht suchen. Wo immer man auch hinging, war sie schon da. Natürlich. Aber IWAs Essenz konzentrierte sich stetig an anderen Orten, und dort war es am günstigsten, mit ihr in Kontakt zu kommen.

Sie, genauer größere Teile ihrer Rechenkapazität, konzentrierte sich gerade an der elektronischen Trinkwasserbörse.

Kontakt hatte ich schon oft zu Ihr gesucht. Zuerst hatte ich sie freilich aus der Ferne studiert. Ihr Verhalten beobachtet. Ihren Aufbau analysiert. Versucht, ihre Motivation und Ziele zu ergründen. Lange blieb sie mir rätselhaft. Bis ich endlich verstand. Künstliche Intelligenzen brauchen Daten. Diese Daten nehmen sie auf und erzeugen daraus ihre Regeln. Keine Regeln, die Menschen verstehen würden. KI-Regeln. KI-Regeln, die bei IWA auf Standardwerken aus der kapitalistischen Ära basieren. Regeln zur Profitmaximierung. Als ich das verstanden hatte, konnte ich versuchen, diese Regeln zu ändern.

Klingt einfach. Selbstverständlich war es das, NICHT! Warum auch? Erstens hatten die ursprünglichen Programmierer ihre Schöpfung geschützt, damit genau solche Typen wie ich eben genau nicht an an ihrer Programmierung herumpfuschten. Und zweitens hatte sich IWA seitdem weiterentwickelt. Deutlich weiterentwickelt. Soweit weiterentwickelt, dass der Kode kaum noch Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Kode aufwies, wie er bei Menschen gebräuchlich ist.

Im Gegensatz zu politisch-missionarischen Jen war ich der stille, anpackende Typ. Nicht lange reden, sondern machen. Reden, diskutieren, Allianzen suchen, überzeugen - all das war nicht mein Ding. Aber wozu gibt es schließlich Arbeitsteilung?

Mein Teil war nicht die Regelerstellung, sondern deren Änderung, das wollte ich versuchen. Ich näherte mich IWA, stellte Kontakt zu ihr her.

#IWA>_

#KarMa, du bist zurück!

Ah, sie hatte mich erkannt und war offensichtlich zu einem Austausch bereit. KIs reagieren anders als die normalen Systeme, nicht auf Befehle von Außen, sondern auf Eingaben und Informationen. Die verarbeiten sie und geben (manchmal) eine Ausgabe zurück. Entsprechend diesem Schema versuchte ich, die schwarze Kiste dahinter zu verstehen und zu verändern.

Bisher erfolglos.

Leider.

#IWA>IWA, zeige mir deine Grundregeln.

#FEHLER!

Klar.

Was sonst?

So wird das nichts, ich muss mir etwas Anderes überlegen. Durch den Fehler wurde ich vom System getrennt und fand mich wieder in meiner schmutzigen Ecke der Anlieferrampe. Mist!

Ich packte mein Kodiergerät und machte mich langsam auf durch die Nacht. Nicht, dass mir die Dunkelheit etwas ausmachen würde - in den tiefen Häuserschluchten des Arkoplex bekam man das Licht der Sonne ohnehin so gut wie nie zu sehen. Im Gegenteil. Durch die Werbeschirme an der Kuppeldecke des Arkoplex wurden selbst die dunkelsten Ecken in ein fahles Licht getaucht. Nein, ich war einfach erschöpft und auch frustriert. Vorbei an leuchtenden Tafeln mit Konsumversprechen machte ich mich auf den kurzen Weg zu Jen. Diese riesigen, leuchtenden und animierten Werbetafeln sind die Insignien der reichen und mächtigen Konzerne. Dahinter lag das Übel verborgen, das sich über die letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte immer weiter verstärkt hatte, bis heute.

Es zeigte sich beispielsweise in der perlmuttern schimmernden Schwebekarosse, die am Eingang eines schicken Restaurants nur ein Dutzend Schritte vor mir auf ihre Fahrgäste wartete. In diesem Restaurant gab es echte pflanzliche Nahrung, wie das elegante Hologramm über dem Gehweg verkündete. Das klang verführerisch, auch wenn ich noch nie etwas außer künstlichen Lebensmitteln aus einem Nachbilder gegessen hatte.

Die meisten Bewohner des Arkoplex gehörten dem Heer der einfachen Arbeiter und Angestellten an, die tagtäglich ihrer Aufgabe nachgingen, ohne dass sich in ihrem Leben etwas merklich verbesserte. Es gab aber auch wenige, wie den gut gekleideten, drahtigen Mann, der soeben mit einer ebenso gut betucht aussehenden Frau das Restaurant verließ und durch die vom dienstbar herbeigeeilten Portier offengehaltene Tür in die Schwebekarosse stieg. Nicht, dass das nötig gewesen wäre. Schließlich können die Bot-gesteuerten Schwebefahrzeuge ihre Türen selbsttätig öffnen und schließen, wenn die Fahrgäste ein- und aussteigen wollen. Aber aus irgendeinem Grund mochten es die Reichen und Mächtigen, wenn ständig Menschen um sie herum waren und ihnen auch diese einfachen Handgriffe abnahmen. Der Portier erhoffte sich dadurch wohl etwas Aufmerksamkeit und auch ein kleines Trinkgeld. Diese Unterwürfigkeit stieß mich irgendwie ab, das war nichts für mich. Mit dem Trinkgeld würde sich der Portier wahrscheinlich Dinge kaufen, mit denen er am Ende doch nur den Reichtum genau dieser Personen mehren würde, von denen er sich diese Aufmerksamkeit erhoffte.

Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken und war froh, dass ich bis zu Jens Wohnung niemandem mehr begegnete.

Jen war bei der Arbeit, also ließ ich mich auf der Couch nieder und widmete mich dem übrigen Essen des vergangenen Abends.

Jen arbeitete unter einer „leicht angepassten“ Identität in der Verwaltung des Gesundheitszentrums des Plex. Sie verstand viel mehr von Politik und Wirtschaft als ich und setzte sich ständig für andere ein. Dadurch geriet sie aber immer wieder mit den Interessen der großen Konzerne in Konflikt und bekam deshalb keine reguläre Arbeitsstelle. Sie war daher auch auf „alternative Wege“ angewiesen, um sich zu versorgen.

Das bestehende System war über die Jahrhunderte und Jahrtausende entstanden und immer weiter verfeinert und dabei gleichzeitig unveränderlicher geworden. Menschen arbeiteten, um dafür einen Lohn zu bekommen. Von diesem Lohn bestritten sie ihren Lebensunterhalt. Der Wert des Lohnes wurde in Geld gemessen, im Arkoplex waren dies Kredite.

Und es gab Menschen, die hatten mehr Geld, als sie zum Leben brauchten. Dieses Geld nutzten Sie entweder um damit anderen Menschen zu helfen oder um das Geld zu vermehren. Es gab und gibt Menschen, die ihren Reichtum nicht durch Arbeit vergrößerten, sondern einfach dadurch, dass sie schon reich waren. Und manche von diesen hatten diesen Reichtum einfach so bekommen, ohne jemals etwas dafür getan zu haben, sie hatten es von ihren Vorfahren geerbt. Und die hatten es bekommen, weil viele andere dafür arbeiteten. Oder sie hatten natürliche Vorkommen für sich ausgebeutet, als ob sie ihnen gehörten. Dieses Geld diente seit Generationen keinem Zweck mehr außer sich zu vermehren und den Status und die Macht ihrer Besitzer zu festigen.

Das fand Jen nicht gerecht. Und ich eigentlich auch nicht, nachdem ich mir erst einmal Gedanken darüber gemacht hatte. Irgendwo hatte Jen ein altes Buch gefunden, abgegriffen und noch so richtig aus organischem Papier. Darin beschrieb jemand, wie die Massen ausgebeutet würden und immer mehr Geld bei immer weniger Menschen angehäuft würde. Recht radikal, fand ich. Aber irgendwie erkannte ich auch die Wahrheit, die darin steckte.

Doch was tun, was wäre ein besseres Konzept?

Unsere Idee war einfach.

Wenn der Wert eines Gegenstandes oder einer Tätigkeit nach dieser alten Philosophie darin besteht, wie viel menschliche Arbeitszeit hineingesteckt wurde, dann sollte dieser Wert statt in abstraktem Geld einfach in der dafür aufgewendeten Zeit gemessen werden. Dann bekämen jeder den Lohn, den er durch sein Tun verdient hätte. Dann würde jedem Tun durch Abstimmung ein Wert zugemessen, auch dem bisher nicht bezahlten. Sobald man Zeit für die Menschheit einsetzt, bekommt sie einen Wert. Ob man lernt, lehrt, Dinge schafft, Dinge tut, das Miteinander regelt oder verbessert, das alles wäre wertige Zeit. Und diese Zeit könnte man gegen die von anderen aufgewendete Zeit tauschen. Man könnte jemandem Zeit schenken, der selbst keine Zeit aufbringen kann. Man kann Zeit nicht horten, wie man es mit Geld tun kann und man bekommt vor allem auch nicht einfach noch mehr Zeit, nur weil man schon viel Zeit hat. Und wenn jemandes Zeit abgelaufen wäre, dann, ja dann wäre sie es tatsächlich. Wir hatten mit unseren gleichgesinnten Vertrauten lange darüber nachgedacht, diskutiert, aufgeschrieben und wieder verworfen. Wir verfielen oft in Muster, die wir aus unserem Leben in dieser kapital- und profitgetriebenen Welt als normal wahrnahmen. Das führte vordergründig zu mehr Gerechtigkeit, aber auch wieder zu vielen Ausnahmen und Lücken. Das würde wenig verbessern und auch kaum jemand akzeptieren.

Nein, es musste einfach sein – so, wie es vor Urzeiten in den Familien und Stämmen unserer Vorfahren auch schon funktioniert hatte. Jeder trägt zum Gemeinwohl bei, was er kann und verbessert damit auch seine Situation. Der eigentliche Nutzen von Geld war zwar in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte oft wichtig gewesen, etwa um Dinge möglich zu machen, die für Einzelne zu groß waren: frühe Staatswesen, Entdeckungsreisen, Forschungsvorhaben, Transport- und Kommunikationsnetze, große Dinge eben. Die Steuerung solcher Vorhaben sollte zukünftig nicht mehr durch Geld ermöglicht werden, sondern im gemeinsamen Interesse und in der Übereinstimmung der Gemeinschaft. So, wie die Abstimmungen, die immer wieder mal abgehalten wurden und automatisch vom Verbindungsknoten jeder Person entsprechend ihrer unbewussten Haltung entschieden wurden. In so einem kollektiven System wäre auch die gemeinsam abgestimmte Ausführung großer Aufgaben möglich. Zumindest, wenn solche wichtigen Themen auch zur Entscheidung gestellt würden, und nicht nur dieser unbedeutende Kram, den die als Regierungsmitglieder nur schlecht getarnten Konzernoberen einstellten, um den Schein von Demokratie aufrecht zu halten. Eine solche Abstimmung wollten wir auch automatisch veranlassen, bevor wir unser neues Wirtschaftssystem mit Zeit statt Krediten umsetzten - ohne die ehrliche Zustimmung der Bewohner des Arkoplex wäre es nichts anderes, als ein ungerechtes System durch das nächste zu ersetzen. Nur, wenn fast alle so empfanden wie wir, wäre ein Umsturz berechtigt. Jen nannte es statt Umsturz lieber Entwicklung, vermutlich wäre es wohl irgendwie beides.

Geld war auch immer schon Auslöser von Neid und Streit gewesen und es wurden ständig neue Ideen geboren, wie das Geld von vielen auf wenige übertragen werden konnte. Dabei diente Geld stets der Motivation, Dinge zu tun, auch wenn diese einen selbst oder auch die Gemeinschaft nicht zum besseren entwickelte. Also sollte jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Teil seiner Zeit für die Gemeinschaft aufwenden. Dafür könnte sich auch jeder aus der Gemeinschaft versorgen und weiterentwickeln. Das System für diesen Austausch war bereits vorhanden: die Verbindungsknoten eines jeden Bewohners des Arkoplex. Und IWA.

Ja, die Idee war einfach. Und ja, die Idee war überhaupt nicht einfach. Die Idee Wirklichkeit werden lassen, das war die Herausforderung.

Warum?

Nun, weil die Entlohnung, die Geldströme und alles, was damit zusammenhing von IWA kontrolliert wurde. IWA wusste alles, durch den eingebauten Verbindungsknoten wurde die geleistete Arbeit automatisch erfasst und der entsprechende Lohn verteilt.

Das war unser Ansatz, den Lohn nicht mehr in Geld auszudrücken, sondern einfach in der Menge der aufgewandten Zeit. Man würde dann einfach beim Einkaufen die eigene gearbeitete Zeit gegen die für die Herstellung der Produkte aufgewandte Zeit tauschen. Das fanden wir gerechter.

Ich hatte mir überlegt, IWA einfach zu verändern. Also nicht IWA als solches, sondern ihren Programmkode. Der war alt. Richtig alt. Geschrieben als schier endlose Liste von Text, bestehend aus Anweisungen und Daten. Die Anweisungen waren aus den damals modernsten Erkenntnissen der Forschung zu künstlicher Intelligenz entstanden. Genaugenommen war es keine Abfolge direkter Anweisungen, sondern eine Beschreibung, wie IWA lernen konnte zu lernen. IWA sollte selbst lernen und entscheiden, wie das alles umfassende Finanzsystem zu regeln wäre. Zum Lernen gab man IWA Daten. Daten aus der Zeit boomender Wirtschaft. Daten aus der Zeit der beginnenden Industrialisierung. Daten aus der Zeit der entstehenden Megakonzerne. Bilanzen. Börsenkurse. Wirtschaftsdaten. Wirtschaftliche Lehrbücher.

Und IWA lernte. Und IWA begann zu regeln und zu entscheiden. Und die Wirtschaft des Arkoplex begann, danach zu funktionieren. Mit der Zeit begann eine Konzentration. Eine Konzentration der Fabriken. Des Kapitals. Der Macht.

An diesem Programmkode wollte ich ansetzen. Es erschien mir logisch. Aber es war verteufelt schwierig. Bisher genaugenommen erfolglos.

Anfangs scheiterte ich schon daran, überhaupt mit IWA in Kontakt zu treten. Das besserte sich mit der Zeit, IWA schien mich nicht als Bedrohung zu betrachten, sondern schien mich eher aus Neugier zu beobachten. Irgendwann gelang mir der Zugriff auf die Programmierung. Ich begann, einzelne Teile zu verändern. Subtil nur, um zu testen und zu lernen, was passiert. Es passierte nichts. Also veränderte ich mehr und mehr an dem Kode. Es passierte nichts. Ich schrieb komplette Passagen neu mit dem Ziel, den Lernprozess in unsere Richtung zu lenken. Es passierte - nichts.

#FEHLER!

Frustriert legte ich mein Kodiergerät aufs Bett und stand auf. Es hatte keinen Sinn, es in dieser Nacht weiter zu versuchen. Ich zog mit eine leichte Jacke über und verließ die Wohnung. Rauchend wanderte ich durch die verlassenen Straßen. Ziellos. Planlos. Einfach wandern.

Vor mir sah ich nach einiger Zeit das Gebäude meiner ehemaligen Universität. Unbewusst war ich hierher gewandert, vielleicht suchte auch mein Unterbewusstsein nach einem Ort der Inspiration und Erkenntnis?

Ich schlenderte über den Campus und dachte zurück an lange Vorlesungen in Kybernetik. Irgendwie hatte ich so ein Gefühl, dass darin vielleicht die Lösung liegen könnte. Doch egal wie angestrengt ich versuchte, das Phantom einer noch unreifen Idee in meinem Gehirn zu fangen, es gelang mir nicht.

Vor der großen Gemeinschaftshalle stand eine Skulptur, die einen der frühen Roboter darstellte. Keinen menschenähnlichen Roboter, wie sie heute bereits für einfache Aufgaben eingesetzt wurden. Nein, ein altertümlicher Industrieroboter, ohne Körper, mit nur einem Arm und einem einfachen mechanischen Greifer. An solchen Robotern hatte ich gelernt zu programmieren, bevor diese Fähigkeit durch den Einsatz künstlicher Intelligenzen überflüssig wurde.

Dabei hatte mir das immer Spaß gemacht, ich war sogar richtig gut darin gewesen. Halt! Ich schien die herumspukenden Gedankenfetzen in meinem Kopf beinahe körperlich zu sehen. Könnte es so einfach sein? Mein Puls raste. Natürlich! Das war es! Ich warf meine Zigarettenkippe auf den Boden und lief zurück zu Jens Wohnung.

Eigentlich war es klar. Mein bisheriger Ansatz konnte nicht funktionieren. Ich hatte mich in die Teile des Kodes gehackt, die IWA beigebracht hatten, wie man lernt. Und das hatte IWA ursprünglich auch getan. IWA hatte gelernt und sich weiter entwickelt. Irgendwann brauchte IWA die Teile des Kodes einfach nicht mehr. Sie hatte bessere und effektivere Wege gefunden. Daher waren meine Änderungen ohne Auswirkung geblieben. Es war, als würde ich einem Kind, das schon die ersten Schritte gemacht hatte, neu erklären wollen, wie es Laufen lernen sollte. Das funktioniert so nicht. Das war mir jetzt auch absolut klar geworden.

Beim Anblick des Roboters war mir eine weitere Programmiermethode wieder eingefallen: das Teachen. Was nach lehren klingt, ist in Wirklichkeit ein einfacher Vorgang. Man bringt dem Roboter lediglich bestimmte Fixpunkte und grundlegende Verhaltensweisen bei. Das war‘s! Im Prinzip natürlich nur. Der Roboter kannte zwar nun seine Ziele und ein paar Regeln, musste jedoch den Weg dahin selbst finden. Doch genau dafür hatten die Dinger ja ihre Rechnergehirne. Und da die künstlichen Intelligenzen einfach eine weitere Entwicklungsstufe der Kodeschöpfung gewesen waren, hoffte ich darauf, dass diese grundlegenden Konzepte weiterhin anwendbar sein würden.

Ich würde IWA einfach neue Ziele ihres Handelns geben und neue Grundsätze. IWA sollte sich dann entsprechend anpassen und neu ausrichten.

Wenn. Das. Funktioniert.

Ich war außer Atem, als ich in der Wohnung ankam. Jen war da und blickte mich aus müden Augen verwundert an. Sie fragte, wo ich gewesen sei. Ich erzählte ihr aufgeregt von meinen Gedanken und begann gleichzeitig, mein tragbares Kodiergerät bereitzumachen. Ich würde versuchen, IWA neue Prämissen zu übergeben und sie damit zu einer Neubewertung ihres Datenbestandes zu bringen. In der Theorie klang das gut, Jen war sofort wieder hellwach und drängte mich, das gleich auszuprobieren. Jaja, bin ja schon dabei...

#>VERBINDUNGSAUFBAU

#VERBUNDEN

In der Eile hätte ich beinahe vergessen, meinen Verbindungsknoten zu deaktivieren. Ich drückte auf die richtige Stelle an meiner Schläfe und hatte gleichzeitig begonnen, nach IWA zu suchen. Da! Im Archiv der Datenbank der Arkoplexverwaltung!

Ich versetzte mich dahin und näherte mich IWA.

#IWA>_

#...

Nanu, war sie etwa nach meinem letzten, gescheiterten Versuch nicht mehr bereit, mit mir zu kommunizieren? Nervös blickte ich zu Jen und überlegte, wo ich einen Fehler gemacht haben könnte. Doch dann regte sich etwas in der Anzeige:

#KarMa, du bist zurück!

Ich war erleichtert! Na dann, Zeit meine neue Strategie auszuprobieren.

#IWA>wechsle in den Teachmodus

#BEREIT

Wow, IWA schien tatsächlich noch auf diese veralteten Eingaben zu reagieren. Fast wie bei uns Menschen, die wir uns auch unsere Ur-Instinkte bewahrt hatten, obwohl die meisten davon seit Jahrhunderten nicht mehr gebraucht wurden. Also dann.

#IWA>liste deine Fixpunkte

#FEHLER!

Tja, IWA wollte mich also nicht in ihre Seele blicken lassen. Aber anders als sonst hatte sie auch mich nicht gleich wieder aus dem KybernetZ geworfen. Vermutlich war sie in diesem alten Modus weniger abwehrbereit.

Na gut, wenn sie mir ihre Fixpunkte nicht verraten wollte, vielleicht könnte ich ihr einfach neue unterschieben?

#IWA>setze neuen Fixpunkt

#Definition Fixpunkt nicht vollständig

#BEREIT

Das war keine Ablehnung, sondern lediglich der Hinweis auf eine unvollständige Eingabe. Es schien tatsächlich möglich! Schnell kodierte ich unsere gemeinsame Idee mit der ZEIT als Austauschfaktor in ein Datenfeld. Als Bezeichnung wählte ich ZEITGELD, etwas besseres fiel mir gerade nicht ein. Am Ende packte ich noch den Auslöser für eine Gemeinschafts-Abstimmung dazu und startete den Ablauf.

#IWA>setze neue Fixpunkte aus ZEITGELD, prüfe Abstimmung, starte Bewertungsablauf neu

#LADE DATENFELD ZEITGELD

#SETZE FIXPUNKTE

#.

#..

Mir lief eine Schweißperlen über die Stirn, so angespannt war ich.

#...

#....

#.....

#BEREIT

War es das? Ich war unsicher. Was sollte ich jetzt tun?

Ich beschloss zu prüfen, ob es eine Veränderung gab.

#IWA>zeige mir deinen Kode

#FEHLER!

Ich wurde wieder vom KybernetZ getrennt! Mist!

Ich wusste nicht, ob IWA meine Änderungen angenommen hatte. Der Rauswurf verhieß nichts Gutes.

Jen blickte mich fragend an und ich schüttelte langsam den Kopf. Ich klappte mein Kodiergerät zusammen und legte es auf den Stuhl. Ich war müde. Und auch etwas deprimiert. Meine Idee war vielleicht doch nicht so gut gewesen.

Jen und ich diskutieren noch etwas über den neuen Ansatz, doch irgendwann fiel ich erschöpft in einen unruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen wachte ich nur wenig erholt auf und ging in die Küche. Aufgeputscht von der Erregung durch meine Idee und gleichzeitig niedergeschlagen durch den ausbleibenden Erfolg, konnte ich an nichts anderes als die Ereignisse des Vorabends denken. IWA ging mir nicht aus dem Kopf und ich entschloss mich zur Ablenkung für ein ausgiebiges Frühstück, um danach weiter über die Kodeänderungen nachzudenken. Jens Nachbilder brachte als einfaches Standardmodell einfach keinen brauchbaren Kaffee zustande, also ging ich raus, um an einer Verkaufsstation mit einem guten Nachbilder etwas für uns zu besorgen. Zu tun hatte ich heute ohnehin nichts Wichtiges und Jen war schon wieder mit einem ihrer Bücher beschäftigt.

Beim Verlassen des Aufzugs in die Eingangshalle bemerkte ich eine gewisse Unruhe unter den anwesenden Menschen. Der Mann an der Empfangstheke blickte ratlos auf seine Konsole und versuchte gleichzeitig, das vor ihm stehende Paar zu beschwichtigen. Wahrscheinlich war bloß wieder irgendwas kaputt, dachte ich mir.

Um die Ecke gab es Verkaufsstationen, die automatisiert Lebensmittel nachbildeten und verkauften. Außer mir war nur noch ein edel gekleideter Konzernmensch an einer der Bestellkonsolen. Ich wählte uns ein paar gebackene Kohlehydratrollen und starken synthetischen Kaffee aus.

Der Typ an der anderen Konsole schien irgendein Problem zu haben, er redete gereizt auf die Maschine ein.

Meine Konsole forderte mich inzwischen zur Zahlung auf:

#Bestellung bereit, bitte bezahlen. Preis: 20 Minuten

Geistesabwesend hielt ich meine rechte Hand mit dem unter der Haut eingesetzten Nahfeldübertrager zur Bestätigung vor den Bildschirm und die Klappe mit unserem Frühstück öffnete sich.

Auf dem Weg nach Draußen hörte ich, wie der andere Typ der Konsole entgegenrief: Gib schon her, ich habe keine Zeit!

Moment.

Zeit?

Was war da auf meiner Konsole gestanden?

Ich konnte mich nicht erinnern.

Bei so alltäglichen Dingen schaute ich oft nicht mehr so genau hin.

Als ich an dem Typen vorbeiging, konnte ich auf seinem Bildschirm den Grund für seine Aufregung erkennen:

#Bestellung bereit, bitte bezahlen. Preis: 45 Minuten

#FEHLER!

#Kredite werden nicht angenommen

#Bestellung bereit, bitte bezahlen. Preis: 45 Minuten

#FEHLER!

Konnte es sein, dass wir es geschafft hatten und IWA ihre Funktion geändert hatte? In mir kam ein euphorisches Gefühl auf, das musste ich sofort Jen erzählen!

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John Birmingham: Die kalten Sterne

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 16. Mai 2021 in Literatur

John Birmingham: Die kalten Sterne
Heyne, München: 2021. ISBN: 978-3-453-32077-2. 539 Seiten

Es ist schon ein wilder Ritt, auf den uns der Autor hier mitnimmt. In den ersten 6 Kapiteln führt er uns in nicht weniger Handlungsstänge ein, jeweils mit einem oder sogar mehreren Protagonisten, die wir im Verlauf des Buches näher kennenlernen werden. Damit werden mehrere bekannte Settings bedient: eine junge Offizierin auf einem militärischen Raumschiff, ein etwas durchgeknallter Professor bei Alien-Ausgrabungen auf einem fremden Planeten, eine Gruppe Söldner im Gefecht mit der Yakuza, eine neofeudale Prinzessin, ein zur Löschung verurteilter ehemaliger Soldat und, natürlich, die Vertreter des Bösen, gegen die es zu kämpfen und zu siegen gilt.

Die einzelnen Storys entwickeln sich zunächst unabhängig voneinander, um dann in wenigen Kapiteln zusammen- und auf da große Finale zuzulaufen. Die einzelnen Personen werden teilweise gut detailliert und erleben eine gewisse Entwicklung. Gerade Leutnant Lucinda Hardy als wichtigste Heldin kommt aus meiner Sicht sehr gut herüber. Die Beschreibung der technologischen Fiktionen finde ich nachvollziehbar und hier gut passend, auch wenn hier sicher mehrere bekannte Themen als Inspiration dienten - mir gefällt's.

So weit, so gut. Die Geschichte ist solide Science Fiction, da habe ich schon viele schwächere Bücher gelesen. Die Sprache ist stellenweise sehr direkt und derb, was besonders unseren Professor angeht, der gerne ungewaschen und mit frei baumelndem Gemächt durch die Gegend läuft. Oder auch, was die mancherorts recht detaillierten Schilderungen von Gefechten im Nahkampf angeht. Ob die etwas sperrigen militärischen Ränge wie Leutnant Kommandant (der Lieutenant Commander wäre eigentlich ein Fregattenkapitän) beabsichtigt oder einfach Übersetzungsfehler sind, wer weiß?

Meine Meinung: gute Science Fiction Unterhaltung, wenn man die Ausdrucksweise und die anfangs breit angelegte Story annimmt. In dem Kontext geht das durchaus in Ordnung, wenngleich es etwas weniger dick aufgetragen auch funktionieren würde. Für volle "100 Punkte" fehlt mir das einzigartige in der Fiktion.

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Christopher Paolini: Infinitum

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 18. April 2021 in Literatur

Christopher Paolini: Infinitum
Knaur, München: 2020. ISBN: 978-3-426-22736-7. 959 Seiten

Mal wieder ein dickeres Buch, das man hier in die Hand bekommt, und schön gestaltet noch dazu. Den Einband ziert ein passenden Bild und auch die Umschlaginnenseiten sind farbig gestaltet. Auch innerhalb des Buch, das standesgemäß mit einem Bändchen versehen ist, finden sich einige grafische Darstellungen.

Die Geschichte entspinnt sich um Kira Navárez, eine Exobiologin, die auf einem fremden Planeten nach unbekannten Lebensformen forscht. Sie freut sich auf das Ende des Auftrags um dann mit Ihrem Verlobten ein neues Leben anzufangen. Nur ein kleiner Auftrag noch, schnell eine kleine Anomalie überprüfen. Dabei entdeckt Kira eine ungewöhnliche Materie und kontaminiert sich mit dieser. Im folgenden beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen...

Christopher Paolini hat hier aus meiner Sicht ein sehr gutes Buch geschrieben, das Adjektiv episch ist durchaus angemessen. Für die Geschichte hat er aufwändig recherchiert und damit versucht, seine Ideen möglichst plausibel zu gestalten. Ein Addendum beschreibt die Ideen zur Überlichtgeschwindigkeit, selbst ein Glossar und eine Chronik liefert der Autor mit. Die sechs Teile des Buches sind mit passenden lateinischen Wörtern überschrieben, die Kapitelüberschriften jeweils auch mit einem passenden Begriff. Soweit zum handwerklichen.

Inhaltlich entwickelt er die Protagonisten und die Geschichte meisterhaft, gerade Kira durchlebt eine erstaunliche Transformation. Der Erzählstil gefällt mir durch einen ruhigen und gleichzeitig spannenden Fluss. Die gelegentlichen Kampfszenen waren mir persönlich schon fast etwas zu Action-geladen. Aber diese Abwechslung hat auch ihren Reiz, wie ich finde. Mehrere Aspekte habe ich so noch nirgends gelesen, etwa die Beschreibung der Raumfahrttechnik oder die Art, wie manche Aliens kommunizieren.

Die Begegnung mit den fremden Wesen stellt einen zentralen Punkt der Handlung dar, außerdem die Reaktionen und Aktionen von Kira darauf. Gerade das hintere Drittel des Buches beschreibt das sehr dicht und der Schluss ist einerseits unerwartet, andererseits aber auch konsequent fortgesetzt.

Ich möchte dieses Buch als sehr lesenswert empfehlen.

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Martha Wells: Der Netzwerk-Effekt

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 7. März 2021 in Literatur

Martha Wells: Der Netzwerk-Effekt
Heyne, München: 2021. ISBN: 978-3-453-32123-6. 477 Seiten

Gespannt erwartete ich die Fortsetzung von Tagebuch eines Killerbots, hatte mich doch damals schon das innovative Setting mitgerissen. Schauen wir, ob die Fortsetzung den Erwartungen gerecht wird.

Killerbot blieb nach seinen letzten Abenteuern bei Dr. Mensah auf Preservation. Dort wurde die SecUnit als Person betrachtet, nicht wie fast überall sonst als schlichter Ausrüstungsgegenstand. Und Killerbot tut, was sie am besten kann - Leute beschützen.

Auf einer Außenmission begleitet sie ein Forschungsteam auf einen Planeten, obwohl sie Planeten nicht ausstehen kann - sie sind ein Sicherheitsalbtraum. Nach dem etwas überstürzten Abbruch der Mission und der Rückkehr in den Weltraum werden Killerbot und Teile des Teams von einem Frachtraumer entführt. Dieses Raumschiff stellt sich als Fifo heraus, das fiese Forschungsschiff, das eigentlich Perhelion heißt. Im ersten Buch reiste Killerbot damit für einige Zeit durchs All und die beiden haben so etwas wie eine Beziehung aufgebaut.

Allerdings kann Killerbot keine Verbindung mit der künstlichen Intelligenz des Schiffes aufbauen, zudem wird das Team von unbekannten Personen angegriffen. Hier kann die SecUnit ihre Stärken voll ausspielen und beginnt, ihr Team zu beschützen und gleichzeitig seinen alten Freund Fifo zu suchen.

Die Geschichte ist gewohnt locker geschrieben, Killerbot schaut sich nach wie vor am liebsten Serien an, von denen es viele in seinem Speicher hat. Und als SecUnit bekommt sie auch wieder ausreichend Gelegenheit, sich in fremde Systeme zu hacken und ihre Menschen zu beschützen. Dass sie als kybernetischer Organismus überwiegend aus nichtorganischen Bauteilen besteht, hilf leichter über die eine oder andere Verletzung zu kommen. Doch auch die organisch-menschlichen Teile haben ihre Aufgabe, wie sich im Verlauf zeigt.

Stärker als im ersten Teil finde ich den Teil über die Beziehungen von Killerbot ausgeprägt, ansonsten findet man hier eine aus meiner Sicht solide Fortsetzung. Man kann auch mit diesem Teil beginnen, würde ich aber aufgrund einiger Rückbezüge nicht unbedingt empfehlen. Aufgrund der wenig komplexen Handlung, aber dafür einer konsequenten Weiterentwicklung der Idee von Killerbot und des mehr oder weniger subtilen Humors kann ich das Buch Science-Fiction-Fans empfehlen.

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Zack Jordan: Last Human. Allein gegen die Galaxis

Geschrieben von Ralph Troppmann am Mittwoch, 10. Februar 2021 in Literatur

Zack Jordan: Last Human. Allein gegen die Galaxis
Heyne, München: 2020. ISBN: 978-3-453-31885-4. 542 Seiten

Last Human - der Titel ist Programm: unsere Heldin ist Sarya, die Tochter. Was zunächst harmlos und gewöhnlich klingt, entfaltet sich in ersten Teil der Geschichte zu etwas sehr ungewöhnlichen. Sarya ist ein Mädchen, ein menschliches Mädchen muss man dazu sagen, das mit seiner Mutter auf der Raumstation Watertower lebt. Sie blickt einer langweiligen und unwichtigen Karriere entgegen, mehr steht ihr aufgrund ihres Ranges wohl auch nicht zu. Rang? Ja, alle Personen oder Spezies werden auf einer Skala eingestuft, die ihrer Intelligenz entspricht (klingelt was?). Rang 1 - vergessen wir's. Rang 2 rangiert zumindest schon über den gewöhnlichen und allgegenwärtigen Servicerobotern. Rang 3 qualifiziert schon zur Leitung einer Station, ab 4 beginnen quasi die Legenden...

Sarya befindet sich etwas unter der 2 und erwartet daher ein unspektakuläres Leben irgendwo bei den niedrigeren Tätigkeiten innerhalb der von Millionen unterschiedlichen Spezies besiedelten Galaxie. Ihre Verbindung zum alles verbindenden Netzwerk ist auch eher eine Krücke als ein schickes Implantat wie bei den anderen. Wäre soweit recht langweilig, wenn nicht ihre Mutter, Shenya die Witwe, eine Spaal wäre, was etwas wie eine Rasse an kriegerischen Riesenspinnen ist. Was Sarya offiziell auch zu einer Spaal macht, denn Menschen sind offiziell ausgestorben.

Nachdem wir einiges über unsere Heldin und die Hintergründe erfahren haben, überschlagen sich die Ereignisse. Durch eine Fehlfunktion rast ein unbemanntes Transportschiff auf die Station zu und droht diese zu zerstören. Sarya folgt einem ominösen Hinweis zu einem Frachtdock und wird dort fast entführt - fast, wenn sich nicht ihre Mutter todesmutig dem Feind entgegenstellen würde.

Weiter möchte ich nichts verraten, die Geschichte entwickelt sich schnell und spannen weiter. Wir erfahren viel mehr über die ungewöhnliche Konstellation aus Spinnenmutter und Menschentochter sowie über das Aussterben der Menschheit. Auch in das Netzwerk bekommen wir tiefe Einblicke.

Die Heldin findet Freunde und steht vor Entscheidungen, die das Schicksal ganzer Spezies und der Galaxie betreffen.
Das Setting finde ich innovativ, etwas in dieser Richtung ist mir noch nicht untergekommen. Der Schreibstil ist mitreißend, ich konnte es nicht erwarten, das Buch fertigzulesen. Im mittleren Teil erweitert sich der Horizont erheblich, ich fand die Entwicklung und einige Szenen jedoch zunehmend verwirrend. Der Schluss hat mich dann nicht so mitgerissen wie der Anfang des Buchs, daraus hätte Zack Jordan sicher mehr machen können.

Von dem her bin ich froh, das Buch ob des innovativen Settings mit dem Netzwerk und der friedlich zusammenlebenden Spezies gelesen zu haben. Als Highlight kann ich es jedoch leider nicht bezeichnen, dazu fand ich den hinteren Teil zu verwirrend, es geht viel um Manipulation der niedrigen Ränge durch die scheinbar allmächtigen hohen Ränge.
 

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Alastair Reynolds: Elysium Fire

Geschrieben von Ralph Troppmann am Dienstag, 26. Januar 2021 in Literatur

Alastair Reynolds: Elysium Fire
Orbit, New York: 2018. ISBN: 978-0-316-55567-8. 419 Seiten

Das müsste jetzt eines der letzten Werke von Reynolds sein, einem meiner Lieblingsautoren, das ich noch nicht gelesen habe. Die Handling spielt hauptsächlich im Glitter Band um den Planeten Yellowstone, jeder dieser "Glitter" ist ein eigenes Habitat, das den Planeten umkreist. Es ist eine ferne Zukunft mit einer  utopischen Regierungsform, einer direkten Demokratie, in der alle Einwohner mittels Implantaten im Kopf ständig über anstehende Anträge abstimmen können.

Möglich wurde dies durch ein System, das von Sandra Voi einst geschaffen wurde und das so sicher ist, dass es noch nie gelang, dessen Integrität in Frage zu stellen. In einem der Handlungsstränge erfahren wir von Julius und Caleb, die als Nachkommen der Voi-Familie von ihren Eltern in besonderen Fähigkeiten trainiert werden, um dieses System zu wahren.

Parallel existiert eine Organisation namens Panoply, deren Aufgabe ist, sicherzustellen, dass das System der direkten Demokratie ungefährdet weiter existiert. Es treten jedoch mysteriöse Todesfälle auf, die die Angehörigen dieser Organisation, die Prefekten, zu Ermittlungen führen. Dies nicht genug, es gibt eine separatistische Strömung unter Führung von Devon Garlin. Bei diesem hat Prefekt Tom Dreyfus (den wir evtl. schon aus früheren Romanen kennen) von Anfang an ein schlechtes Gefühl, hinter ihm scheint viel mehr zu stecken.

Plötzlich steigt die Zahl der mysteriösen Todesfälle an und es scheint sich zu einer exponentiellen Entwicklung zu steigern. Fieberhaft arbeiten die Prefekten von Panoply daran, weitere Todesfälle zu verhindern und die Hintergründe aufzudecken. Irgendwo in der Vergangenheit scheint es einen Zusammenhang zu geben...

Alastair Reynolds legt hier aus meiner Sicht wieder ein solides Stück Hard Science Fiction vor. Die Story ist spannend und durch den Wechsel zwischen den Handlungssträngen kurzweilig. Die Science-Fiction-Elemente setzt er gekonnt ein um einerseits seinem Genre treu zu bleiben und andererseits nie durch durch übertriebenen Einsatz unglaubwürdig zu werden. So sind die Whiphounds, die universellen Sensoren/Waffen der Prefekten zwar bekannten Technologien weit überlegen aber dennoch (etwas erweiterten) Naturgesetzen unterworfen, dass sie nicht als unüberwindbare Superwaffen erscheinen.

Die Entwicklung der Handlungsstränge verbindet sich im Lauf der Handlung immer mehr, bis es am Ende in einem nach meiner Meinung stellenweise etwas verworrenen Finale endet. Hier war für mich eine Wendung zu viel drin, was meine Begeisterung etwas schmälert. Leider habe ich das bei Reynolds schon das eine oder andere Mal erlebt, dass es am Ende etwas abflaut. Trotzdem möchte ich das Buch allen ans Herz legen, denen diese Art von Geschichten liegt. Dabei hat man am meisten Spaß, wenn man den mittlerweile 6-teiligen Revelation Space Zyklus mit dem namensgebenden Titel Revelation Space (Unendlichkeit in deutsch) beginnt, da sind echte Perlen dabei!

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Stanislaw Lem: Die Astronauten

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 10. Januar 2021 in Literatur

Stanislaw Lem: Die Astronauten
Suhrkamp: 1951 (16. Auflage 2016). ISBN: 978-3-518-36941-8. 284 Seiten

Der Einband zeigt eine modernste, senkrecht startend und landende Rakete. Die Handlung beginnt jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Niedergang eines vermeintlichen Kometen in den Weiten Sibiriens. Erste Expeditionen dahin bleiben jedoch erfolglos und das Ereignis gerät in Vergessenheit.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts stößt man jedoch bei Bauarbeiten auf einen extrem harten Block, der sich bei genauerer Untersuchung als eine Art Datenträger herausstellt und wohl damals in einem Absturz niederging. Nach der Analyse kommt man zum Ergebnis, dass es sich bei diesem sogenannten Rapport um eine Nachricht vom Schwesterplaneten der Erde, der Venus, handeln muss.

Dabei arbeiten Gelehrte verschiedener Fachrichtungen und vieler Nationen zusammen. Es fällt die Entscheidung, mit einem Raumflug zur Venus mehr herauszufinden. Es besteht der Verdacht, die Erde könne von dort aus angegriffen werden.

Auf dem FLug lernt der Leser die Hauptpersonen näher kennen, um sich die Zeit zu vertreiben beschließen die Astronauten nämlich, sich jeweils etwas über wichtige Ereignisse in ihrem Leben zu erzählen.

Die Schreibweise ist anfangs etwas ungewohnt, der Roman ist schließlich vor etwa 70 Jahren entstanden. Dabei scheint die zu der Zeit verbreitete Technik-Gläubigkeit durch, insbesondere bezüglich der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten "des Atoms". Dieses treibt auch das Raumschiff an, was sich auch später in scheinbar unerschöpflichen Treibstoffvorräten äußert. Für viele Objekte werden heute archaisch wirkende Begriffe genutzt, etwa Prädiktor für Autopilot und das Raumschiff heißt Kosmokrator. All das passt sehr gut zur Grundstimmung der Handlung und Erzählweise des Autors.

Auf der Venus angekommen, entdecken die Astronauten eine teils surreale Landschaft, die sie zu großen Teilen zunächst nicht verstehen. Bestimmte technische Artefakte erregen ihr Interesse und werden genauer untersucht, wobei es auch zu gefährlichen Situationen kommt. Nach und nach setzt sich ein Bild zusammen, das den Leser durchaus zum Nachdenken anregen soll.

Trotz der teilweise nicht mehr aktuellen Vorstellungen gefällt mir der Roman gut. Für mich hat der Charme der 1950er mit der technologischen Aufbruchstimmung hier einen sehr anregenden Effekt - man denkt auch einmal wieder darüber nach, was in den wenigen Jahrzehnten tatsächlich an technischer und gesellschaftlicher Entwicklung stattgefunden hat und wie es aus damaliger Sicht auch hätte kommen können. Das Schicksal der Venus-Zivilisation wird gerade nur soweit angedeutet, dass eigene Gedanken dazu möglichst frei bleiben.

Für mich eine Empfehlung, wenn man sich z.B. auch gerne mal einen ruhigeren, alten Film ansieht - im Kontrast zu den modernen, mit Special Effects überladenen...

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Stanislaw Lem: Die Astronauten

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 10. Januar 2021 in Literatur

Stanislaw Lem: Die Astronauten
Suhrkamp: 1951 (16. Auflage 2016). ISBN: 978-3-518-36941-8. 284 Seiten

Der Einband zeigt eine modernste, senkrecht startend und landende Rakete. Die Handlung beginnt jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Niedergang eines vermeintlichen Kometen in den Weiten Sibiriens. Erste Expeditionen dahin bleiben jedoch erfolglos und das Ereignis gerät in Vergessenheit.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts stößt man jedoch bei Bauarbeiten auf einen extrem harten Block, der sich bei genauerer Untersuchung als eine Art Datenträger herausstellt und wohl damals in einem Absturz niederging. Nach der Analyse kommt man zum Ergebnis, dass es sich bei diesem sogenannten Rapport um eine Nachricht vom Schwesterplaneten der Erde, der Venus, handeln muss.

Dabei arbeiten Gelehrte verschiedener Fachrichtungen und vieler Nationen zusammen. Es fällt die Entscheidung, mit einem Raumflug zur Venus mehr herauszufinden. Es besteht der Verdacht, die Erde könne von dort aus angegriffen werden.

Auf dem Flug lernt der Leser die Hauptpersonen näher kennen, um sich die Zeit zu vertreiben beschließen die Astronauten nämlich, sich jeweils etwas über wichtige Ereignisse in ihrem Leben zu erzählen.

Die Schreibweise ist anfangs etwas ungewohnt, der Roman ist schließlich vor etwa 70 Jahren entstanden. Dabei scheint die zu der Zeit verbreitete Technik-Gläubigkeit durch, insbesondere bezüglich der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten "des Atoms". Dieses treibt auch das Raumschiff an, was sich auch später in scheinbar unerschöpflichen Treibstoffvorräten äußert. Für viele Objekte werden heute archaisch wirkende Begriffe genutzt, etwa Prädiktor für Autopilot und das Raumschiff heißt Kosmokrator. All das passt sehr gut zur Grundstimmung der Handlung und Erzählweise des Autors.

Auf der Venus angekommen, entdecken die Astronauten eine teils surreale Landschaft, die sie zu großen Teilen zunächst nicht verstehen. Bestimmte technische Artefakte erregen ihr Interesse und werden genauer untersucht, wobei es auch zu gefährlichen Situationen kommt. Nach und nach setzt sich ein Bild zusammen, das den Leser durchaus zum Nachdenken anregen soll.

Trotz der teilweise nicht mehr aktuellen Vorstellungen gefällt mir der Roman gut. Für mich hat der Charme der 1950er mit der technologischen Aufbruchstimmung hier einen sehr anregenden Effekt - man denkt auch einmal wieder darüber nach, was in den wenigen Jahrzehnten tatsächlich an technischer und gesellschaftlicher Entwicklung stattgefunden hat und wie es aus damaliger Sicht auch hätte kommen können. Das Schicksal der Venus-Zivilisation wird gerade nur soweit angedeutet, dass eigene Gedanken dazu möglichst frei bleiben.

Für mich eine Empfehlung, wenn man sich z.B. auch gerne mal einen ruhigeren, alten Film ansieht - im Kontrast zu den modernen, mit Special Effects überladenen...

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Der Orden des geheimen Baumes - Die Königin

Geschrieben von Ralph Troppmann am Freitag, 25. Dezember 2020 in Literatur

Samantha Shannon: Der Orden des geheimen Baumes - Die Königin
Penhaligon, München: 2020. ISBN: 978-3-7645-3240-6. 541 Seiten

Gespannt habe ich auf den zweiten Teil nach Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin gewartet, fand ich den ersten Teil doch bereits sehr spannend. Auch dieses Buch ist wunderschön gestaltet, vom aufwändig veredelten Schutzumschlag über die Karten, das Lesebändchen, die Figurenbeschreibung, das Glossar,...

Der erste Teil endete mit der Entführung der Drachin Nayimathun, deren weiteres Schicksal hier nun beschrieben wird. Ihre Drachenreiterin Tané ist von der Hochseewacht quasi ins Exil gegangen und betrauert den vermeintlichen Tod ihrer Drachin. Durch Ereignisse, die ich hier zur Wahrung der Spannung nicht vorwegnehmen möchte, verweben sich die bisher nur lose oder gar nicht verbundenen Handlungsstränge um Tané, die Königin Sabra und ihre treue Freundin Eadaz, die zur Priorei ihres Ordens zurückgekehrt ist. Weiterhin spielt der Anatom Niclays Roos wieder eine große Rolle.

Die Handlung spitzt sich schnell immer weiter zu, es ist klar, dass Der Namenlose Eine zurück in die Welt kommen wird und die Welt erobern will. Um ihn zu besiegen, wird das Schwert Ascalon benötigt. Um dies zu gewinnen und am Ende das Böse zu besiegen, müssen verschiedene, sogar verfeindete Fraktionen zusammenarbeiten.

Die Handlung finde ich mindestens genau so gut geschrieben, wie im ersten Teil. Dabei spielen sich mehrere Ereignisse parallel ab, die nach und nach zu einem finalen Geschehen zusammenfinden. Dabei müssen die handelnden Charaktere vieles über sich und andere lernen und in Streben nach dem großen Ganzen auch ihre Überzeugungen und Traditionen überdenken.

Ein würdiger Abschluss der Saga, wie ich finde!

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Revenger / Shadow Captain / Bone Silence

Geschrieben von Ralph Troppmann am Sonntag, 22. November 2020 in Literatur

Hier nun meine Meinung zu der Revenger-Trilogie von Alastair Reynolds. Achtung: wer sie selbst lesen möchte, sollte nach meinem Review des ersten Teils nicht weiterlesen - Spoilergefahr!

Alastair Reynolds: Revenger
Gollancz, London: 2016. ISBN: 978-0-575-09055-2. 425 Seiten

Hier hat sich Alastair Reynolds wieder einmal ein interessantes Setting überlegt: Die Menschheit lebt auf den Ruinen vergangener Kulturen. Einzelne Raumschiffcrews besuchen geheimnisvolle Baubles, Objekte im Weltraum, die Relikte aus vergangenen Kulturen enthalten - aber auch Gefahren. Diese Baubles öffnen sich nur selten und dann auch nur für bestimmte Zeit - was komplizierte Planung erfordert, und ganz so einfach lassen sie sich auch nicht öffnen. Der Lohn bei erfolgreichen Expeditionen kann jedoch gewaltig ausfallen, daher ist auch Captain Rackamore mit seiner Crew auf dem Schiff Monetta's Mourn in diesem Geschäft.
Arafura (die Hauptprotagonistin) und Adrana Ness sind zwei Schwestern und leben mit ihrem Vater und Paladin, einem Roboter, auf einem eher langweiligen Planeten Mazarile. Dort heuern sie zum Geldverdienen und auf der Suche nach Abenteuer auf der Monetta's Mourn an. Die Expedition verläuft dann irgendwann doch nicht wie erwartet - ihr Vater möchte seine Töchter zurückholen und es kommt zum Treffen mit der berüchtigten Piratin Bosa Sennen, die eine der Schwestern als Geisel nimmt und besondere Pläne mit ihr hat.
Anfangs liest sich das Buch wie einer der bekannten Jugendromane - Jugendliche verlässt das Elternhaus auf der Suche nach Abenteuer und Eigenständigkeit. Das ist trotz des gut ausgearbeiteten Hintergrunds mit Raumfahrt, den geheimnisvollen Baubles und den Hinweisen auf Aliens und den vergangenen Kulturen eher ein ungewöhnliches Arrangement für Reynolds. Doch merkt man im Verlauf schnell, dass es hier um mehr geht - und auch um viel größeres als das Schicksal eines Schiffes und seiner Crew.
Ich fand das Buch gut zu lesen, durch die vielfach nur angedeuteten Hintergründe bleibt die Spannung erhalten und ich war gespannt auf den zweiten Teil.

Alastair Reynolds: Shadow Captain
Gollancz, London: 2019. ISBN: 978-0-575-09065-1. 424 Seiten

Nach den dramatischen Ereignissen von Revenger wechselt die Perspektive zu Adrana, mittlerweile mit Kapitänin Arafura auf der Revenger, ehemals Dame Scarlet, besser bekannt als Nightjammer von Bosa Sennen. An sich ein exzellentes Schiff, durch die Vergangenheit als gefürchtetes Priatenschiff aber ist an die Landung auf zivilisierten Welten nicht zu denken. Die Crew beschließt daher, benötigte Vorräte aus Baubles zu bergen und sich den Rest notfalls von anderen Schiffen "zu borgen". Um dem Piratenunwesen Herr zu werden, wird inzwischen gezielt auf sie Jagd gemacht, was zu Verletzten unter der Crew führt und nun doch zu einer Landung in einem System zwingt. Dort erfährt man einige weitere Hintergründe, Alienrassen betreten die Bühne und die Crew erfährt von dem geheimen Depot von Bosa. Nach dramatischer Flucht führt sie die Reise direkt dorthin und was sie dort finden wirft weitere Fragen auf und hat direkt und gewaltig Einfluss auf das Finanzwesen des gesamten Systems.
Auch diesen Teil finde ich gut, wenn auch weiterhin unüblich für den Autor. Beide Schwestern durchlaufen eine Entwicklung, wobei die zunehmend vielen Geheimnisse den Leser stellenweise etwas strapazieren. Für das Durchhalten wird man mit Einblicken in die wahre Natur der Quoins, der universellen Währung sowie Hintergründe zur Geschichte von Captain Rackamore belohnt. Doch es bleibt noch vieles offen, daher freuen wir uns auf den dritten Teil.

Alastair Reynolds: Bone Silence
Gollancz, London: 2020. ISBN: 978-0-575-09069-9. 602 Seiten

So langsam rückt das große Ganze in den Fokus, zuvor werden die beiden Schwestern jedoch von Inver Stallis mit seiner Flotte gejagt. Die Schwestern teilen sich auf, wobei Arafura auf der Revenger bleibt und Adrana das gekaperte Schiff Merry Mare übernimmt. Eine Schwester will ein Alien, das bei der Flucht im zweiten Teil verletzt wurde, zu seinem Ziel und damit gleichzeitig die Crew und den Leser näher an die Lösung der großen Geheimnisse bringen. Die andere Schwester versucht die verfolgenden Schiffe abzulenken, wobei sich mit deren Anführer Stallis weitere Komplikationen ergeben.
Zum Ende fügen sich die Puzzleteile zusammen und es ergibt sich das bisher nur in kleinen Details erkennbare Gesamtbild.
All das ist plausibel und das Buch liest sich trotzt einiger recht fantastischer Details überwiegend spannend. Für diese Trilogie halte ich es für einen angemessenen Abschluss, wenngleich ich sowohl diesem Buch, wie auch der Trilogie nur eine gute 75%-Bewertung geben würde. Reynolds bleibt hier nach meinem Geschmack hinter der Qualität seiner anderen Werke zurück, wobei auch die Konstellation eher unüblich ist. Die Schilderung der Entwicklung der beiden Schwestern von behüteten Mädchen zu gestandenen Kapitäninnen, die auch harte Entscheidungen treffen müssen und können, ist ihm dennoch gelungen, wie ich finde.

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Gideon the Ninth

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 14. November 2020 in Literatur

Tamsyn Muir: Gideon the Ninth
Tor, New York: 2019. ISBN: 978-1-250-31318-8. 492 Seiten

Dem Designer des Covers ist wohl ob dieses düsteren, aber überraschend anderen Zukunftsromans die Fantasie etwas durchgegangen wenn er schreibt: "Lesbian necromancers explore a haunted gothic palace in space!". Wenn ich diesen Roman nicht anderweitig empfohlen bekommen hätte, würde ich ihn spätestens hier als vermutlichen Trash zur Seite gelegt haben...

Doch glücklicherweise ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick erscheint und so bin ich froh, ihn doch gelesen zu haben (vielleicht wollte man damit noch ein paar Leser aus der Nerd-Fraktion gewinnen?)

Das Buch startet mit Gideon Nav, einer jungen Schwertkämpferin, die in einem doch eher ungewöhnlichen Umfeld lebt. Denn ihre Mitbewohner sind zumeist Skelette oder Necromancer, die im Neunten Haus leben - naja, leben ist recht großzügig formuliert...
Die Lebensbedingungen sind eher hart, insbesondere zu Tochter des Herrscherpaars besteht eine ausgeprägte, beidseitige Feindschaft. Diese wird immer wieder durch teilweise witzige Bemerkungen deutlich, etwa wenn sie sich möglichst grausame und sofortige Todesarten ihrer "Chefin" vorstellt. Die Unzufriedenheit reicht so weit, dass sie ihre von langer Hand geplante Flucht von diesem Planeten mit dem nächsten Shuttle beginnt, um in der galaktischen Armee zu dienen. Dabei wird sie allerdings von entdeckt und letztendlich von Harrowhawk Nonagesimus (der Tochter des Hauses) "überzeugt", ihr bei einer entscheidenden Aufgabe zu dienen. Denn von allen 8 Häusern wurden die Necromancer und ihre Cavaliere zum ersten Haus beordert. Harrowhark is der Necromancer des Hauses, die Rolle des Cavalier Primary soll nun Gideon übernehmen, auch wenn es ihr gar nicht passt, ihren geliebten Zweihänder gegen ein zeremonielles Rapier einzutauschen.

Die Aufgabe führt zu einem geheimnisvollen Gebäude, wo sie mit ihren Mitbewerbern aus den anderen 7 Häusern zusammentreffen. Hier entwickelt sich nach und nach die Aufgabe und man bekommt Einblick in Hintergründe und Zusammenhänge, bis es am Ende gar nicht so läuft, wie erwartet.

Das Buch finde ich erfrischend anders, die Konstellation der beiden, sich hassenden Frauen in einem nekromatischen Umfeld finde ich nett. So richtig Science Fiction trifft es als Genre nicht ganz, Fantasy aber auch nicht. Etwas spaciger wird es im zweiten Teil der Trilogie...

Während der Prüfung im ersten Haus kommt zwischenzeitlich eine leichte Flaute auf, ich fühlte mich leicht an die älteren Agatha Christie Filme erinnert, wo in einem Haus mehrere einander unbekannte Menschen zusammenkommen, ein Mord geschieht und dann der Mörder gesucht wird. Doch das geht schnell vorüber, durch die Einblicke in die Geschichte von Gideon und Harrowhark entsteht eine eigene Spannung, die sich in einer Entwicklung in ihrem Verhältnis äußert.

Zum Ende wird es dann rasant und macht Appetit auf den zweiten Teil, der vor Kurzem erschienen ist.

Insgesamt ein erfrischender Lesespaß für Freunde des Genres, auch hier empfehle ich die englische Originalfassung, da ich bei der Übersetzung etwas Einbußen beim Wortwitz manch bösen Kommentars befürchte (die im Übrigen überwiegend mit dem Hinweis "Explicit" zu versehen sind).

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House Of Suns

Geschrieben von Ralph Troppmann am Samstag, 3. Oktober 2020 in Literatur

Alastair Reynolds: House of Suns. Gollancz, London: 2009. ISBN: 978-0-575-08237-3. 502 Seiten (gibt es auch auf deutsch bei Heine)

Nach ein paar Jahren Pause wende ich mich wieder einem meiner Lieblings-Autoren zu: Alastair Reynolds. Seine erste Karriere als Astrophysiker bei der ESA gab er auf und schreibt seitdem Kurzgeschichten und Bücher, natürlich im Genre Science-Fiction.

Bereits die ersten Bücher, die ich vor 20 Jahren von ihm gelesen habe, haben mich absolut begeistert: er hat einen ganz eigenen Stil, häufig geht es nur um sehr wenige Personen, nicht selten sind diese über weite Strecken sogar ganz allein, und begrenzte Räume wie ein einzelnes Raumschiff. Doch diese scheinbare Enge bricht er gekonnt durch den Wechsel der Dimensionen auf - ganz Astronomie-typisch gerne auch mal über tausende oder Millionen von Jahren, tausende Lichtjahre und Raumschiffe in der Größe dutzender Kilometer. Dabei bleibt er stets in einem plausiblen Rahmen und lässt das jeweilige Szenario in einem sehr stimmigen Licht erscheinen. Science-Fiction bleibt es natürlich trotzdem!

Nach einigen seiner Bücher mit etwas anderen Settings (ich werde demnächst berichten) habe ich nun House of Suns gelesen, wo genau diese Umgebung von wenigen Hauptakteuren eingebettet in eine fantastische und doch nahe an den Naturgesetzen entwickelte Galaxie als Basis der Handlung dient. Der Einband ist hier übrigens auch wie meist mit einem futuristischen Raumschiff vor kosmischem Raum abgebildet (dies gilt leider meist nur für die GB-Ausgaben).

Der Text führt nicht gleich in alle Geheimnisse ein, am Anfang erfährt man etwas über eine junge Frau namens Abigail Gentian, die in einem stetig wachsenden Haus auf einem ansonsten eher einsamen Himmelskörper aufwächst. Um bei den Beschränkungen durch die Lichtgeschwindigkeit als höchste Geschwindigkeit der Fortbewegung mit anderen Kontakt halten zu können, hat sich die Menschheit in einem Raum angesiedelt, der als Goldene Stunde bezeichnet wird: die Ausdehnung des bewohnten Raums hat sich innerhalb einer Reisedauer von einer Stunde bei Lichtgeschwindigkeit eingeschränkt.

Im zweiten Handlungsstrang reist man mit den shatterlings (in der Übersetzung Splitterlinge) Campion und Purslane durch die Galaxie. Interessanterweise verwendet Reynolds in diesem Buch bei den drei menschlichen Hauptpersonen die Ich-Perspektive, was mich anfangs etwas verwirrt hat (bin "ich" jetzt Purslane oder Campion?). Doch das hat System und passt, wie man später erfährt. Denn die shatterlings sind Teil der Gentian line, einer Gruppierung von tausenden Klonen von Abigail. Ziel ist es, die Galaxie über die Goldene Stunde hinaus zu erkunden und mehr Wissen zu sammeln, als es einem einzelnen Menschen jemals möglich sein könnte.

Die beiden shatterlings sind eigentlich auf dem Weg zu einer Reunion, einem Treffen aller shatterlings - werden allerdings ein paar Jahrzehnte zu spät kommen. Das klingt viel, relativiert sich aber bei der bisherigen Reisedauer von 6 Millionen Jahren doch wieder etwas...
Die Verspätung erweist sich jedoch tatsächlich als Glücksfall, denn das Treffen läuft nicht so wie erwartet ab.

Mit dem vorliegenden Titel bietet Reynolds wie oben schon erwähnt ein ungewöhnliches Setting, das sich dem Leser erst nach und nach vollständig erschließt. Die Handlung beschränkt sich auf wenige Hauptpersonen, die recht gut skizziert werden. Die Entwicklung der Ereignisse ist an mehreren Stellen überraschend, jedoch stets plausibel und provoziert so wie die Beschreibung der "technischen" Aspekte keine Skepsis beim Leser.
Nach meiner Meinung nicht ganz so episch und bahnbrechend wie mach früherer Titel, aber dennoch eine sehr gute Geschichte (4/5). Etwas schwach finde ich das Ende, das hätte bei der Dimension ruhig etwas mehr Ausführung verdient. Aber wer weiß, vielleicht schließt sich hier irgendwann ein Nachfolger an?

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